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Geschichten rund um den Genuss

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Mit der Bedeutung von Nahrungsmitteln für das Zusammenleben und für die geschichtliche Entwicklung beschäftigen sich drei aktuell erschienene Bücher.

Essen macht nicht nur satt, es ist auch ein wichtiges gesellschaftliches Bindeglied. Mit der Bedeutung von Nahrungsmitteln für das Zusammenleben und für die geschichtliche Entwicklung beschäftigen sich drei aktuell erschienene Bücher: "Safran, Sushi und Prosecco" von Marcus Reckewitz und Hannes Bertschi, "Kochende Leidenschaft" von Jean-Claude Kaufmann und "Kaffee" von Heinrich Eduard Jacob.

Auf höchst amüsante Weise widmen sich Reckewitz und Bertschi dem Genuss: Humorvoll und faktenreich schildern sie die Historie von Spezialitäten wie Blutente, Crepe Suzette sowie Weißwurst. Sie schildern detailliert, wie aus einer erstickten und in einer Presse bearbeiteten Ente eine teure Spezialität entsteht und wandeln auf den ungesicherten Spuren der Pommes.

Ein Vergnügen ist es auch, die Geschichte der Kiwi nachzulesen, die vor mehr als 100 Jahren von der gestressten Lehrerin eines Mädchenpensionats entdeckt wurde. Das Buch ist das dritte Werk des Duos, das bereits mit "Von Absinth bis Zabaione" und "Champagner, Trüffel und Tatar" seine Leser begeisterte.

Weniger kurzweilig, aber ähnlich faktenreich ist das Buch "Kochende Leidenschaft". Der französische Soziologe Kaufmann ("Singlefrau und Märchenprinz") hat sich mit der Bedeutung des Essens für den familiären Zusammenhalt beschäftigt. Sein Buch basiert auf der Befragung von Frauen zu Essverhalten, Tischritualen und zur Bedeutung der Mahlzeiten innerhalb der Familie.

Zudem erläutert Kaufmann kurz die Kulturgeschichte des Kochens. Er erklärt beispielsweise, dass Melonen lange Zeit zu den "kalten" Nahrungsmitteln gezählt wurden, die das "sexuelle Feuer" dämpften, aber als verdaungshemmend galten. Deshalb seien sie stets zusammen mit "heißen" Nahrungsmitteln wie Gewürzen, Wein und Wurst verzehrt worden - Gerichte wie Melone mit Parmaschinken zeugten noch heute von diesem Irrglauben.

Ganz allein einem einzigen Getränk ist das neu aufgelegte Buch von Heinrich Eduard Jacob (1889-1967) gewidmet, der als einer der Begründer des "Neuen Sachbuchs" gilt: dem Kaffee. Lange Zeit war die Kaffeebohne der zweitwichtigste Rohstoff auf dem Weltmarkt nach dem Rohöl. Zwölf Kaffeebäume werden statistisch für jeden Deutschen jährlich pro Hand geerntet. Die munter machende Bohne gilt als Keim der Globalisierung. Jacob beschreibt, wie der Kaffee Aufnahme in die Küchen der Menschheit gefunden haben könnte. Anschaulich und außergewöhnlich umfassend schildert er die Historie des Anbaus, des Handels und der gesellschaftlichen Bedeutung des Genussmittels.

Der Journalist verdeutlicht, wie viele Millionen Schicksale in den vergangenen Jahrhunderten auf vielfältige Weise von den kleinen Bohnen abhingen. Das hochwertig gestaltetes Standardwerk wird ergänzt von einem Essay über die aktuellen Entwicklungen der Kaffeewelt sowie einige Karten, die die wichtigsten Wege des Kaffees nachvollziehen.

(APA)