"Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie" – ein Blick auf das Frühwerk.
Frühsommer 2007 im Belvedere, im Jahr nach dem Exodus der Goldenen Adele – der ganze Klimt ist längst erschlossen. Der ganze Klimt? Nein. Denn in der Beletage wird nun das Frühwerk gezeigt, und damit wollte sich bisher anscheinend niemand beschäftigen. „Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie“ nennt sich eine Schau mit Werken von Gustav und seinem Bruder Ernst, von deren Kompagnon Franz Matsch und Historismus-Malern wie Hans Makart, Ferdinand Laufenberger und Victor Julius Berger.
Diese kompakte Zusammenstellung von rund 50 Gemälden, Zeichnungen und Entwürfen ist durchaus verdienstvoll, zeigt sie doch paradigmatisch die Entwicklung eines Stars der Moderne. Man sehe hier „nicht den Blockbuster Klimt“, sondern die Aufarbeitung wichtiger Facetten dieser Künstler, sagte Kurator Alfred Weidinger bei der Eröffnung. Rund 2000 Publikationen gebe es über Klimt, doch bisher fehlte eine über das Frühwerk (ein erster Versuch liegt nun in einem feinen Katalog vor.)
Im Boom der Gründerzeit
Mehr als die Hälfte der Schaffensperiode Gustav Klimts umfasst diese frühe Phase, in der er in der Compagnie arbeitete. Im Habsburgerreich der Gründerzeit musste ein Übermaß an Palais, Großbürger-Wohnungen und Theatern mit Prunk ausgestattet werden, vor allem in Wien (Burgtheater, Hermesvilla), aber auch in Provinzstädten wie Karlsbad, Brünn, Reichenberg, Sinaia oder Totis. Die Brüder Klimt und Matsch lieferten höchst professionell, das Projekt ging erst mit dem Tod von Ernst im Jahre 1892 zu Ende. Da gab es bereits Querelen wegen der Bilder für die Aula der Wiener Universität.
Wie also malte Klimt, der Absolvent der Wiener Kunstgewerbeschule, ehe er „unser“ Klimt wurde? Verblüffend durchgeistigt sind seine Kopien alter Meister, Tizians „Isabella d'Este“ etwa aus dem Kunsthistorischen Museum lässt in der Nachahmung (1885) bereits die Neurosen Wiener Damen erahnen. Im direkten Vergleich mit seinem Kollegen Matsch zeigt sich Klimts Souveränität. Beide haben 1880 jeweils ein „Bildnis eines Mädchens“ mit Spitzenkragen angefertigt, brav akademisch der eine, mit viel intensiverem Ausdruck der andere. Bezeichnend für den ganz frühen Klimt ist das Gemälde „Fabel“ (1883) mit seinen vielfältigen symbolischen Formen, im Zentrum der Schau steht ein frühes Meisterwerk – „Sonja Knips“ aus dem Jahre 1898, ein wahrhaft prächtiges Frauenzimmer.
Interessant ist aber auch die Entwicklung, die Franz Matsch genommen hat. Seine dekorativen Kinderbilder sind auf ihre Art auch eine Vollendung – Malerei auf sehr hohem Niveau. Diese Ausstellung sei symptomatisch für das Obere Belvedere, sagte Hausherrin Agnes Husslein-Arco. Es sei ihr wichtig, mit den vorhandenen Beständen zu arbeiten. Das Belvedere besitze die größte Klimt-Sammlung und das größte Klimt-Archiv der Welt. Es ist also wohl noch einiges an Historismus und der Erforschung des frühen Klimt zu erwarten.
BELVEDERE: Klimt und Co.
Oberes Belvedere: „Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie“, bis 2. Oktober.
Katalog:: Bibliothek der Provinz. Hrsg. A. Husslein-Arco, A. Weidinger. 135 S., 19 .
Internet: www.belvedere.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2007)