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"Queens of the Stone Age": Dauerhafter als Erz

Josh Homme.
Josh Homme.(c) EPA (Peter Schneider)
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Die kalifornischen "Queens of the Stone Age" füllten die Wiener Arena mit zeitlosem Hardrock.

„Meine Generation ist im Ausverkauf“, singt Josh Homme – der Mann, der die „Queens of the Stone Age“ ist –, sie vertraue auf nichts und niemandem. Er selbst gehe „immer allein ins Morgen“, fühle „Batteriesäure in den Adern“, warte nur mehr darauf, dass sein „Kopf explodiert“, weil dann erst „das Kopfweh vergeht“...

Klagen über Klagen. Josh Homme, der seinen „Stoner Rock“ Anfang der Neunzigerjahre u.a. aus den Trümmern des (radikal ausverkauften) Grunge geschlagen hat, hat diese grundsätzliche Kläglichkeit von seiner (per Eigendefinition verlorenen) Große-Brüder-Generation übernommen. In seinen Texten. Die er mit seiner dünnen, verletzlichen Stimme freilich mehr zur Musik seiner Band (und seiner eigenen Gitarre) dazusingt, als dass die Worte die Musik prägten.

Denn die ist weder verletzlich noch kläglich, sondern ruht in sich. Auch in den schnellsten Songs, bei denen der Schlagzeuger einige Mühe hat mitzukommen, ist keine Spur von Unrast. Das mag auch daran liegen, dass dieser Stil seit ca. 35 Jahren definiert und erprobt ist und es überhaupt keinen Grund gibt, irgendetwas an seinem Kanon zu ändern: „Stoner Rock“, das ist Hardrock ohne Adjektive. Kein Metal, kein Hardcore, kein Crossover von irgendetwas mit irgendetwas, sondern nur Hardrock, „in rock“, wie es bei den alten Deep Purple hieß, aus Stein gehauen.

„Reise durch die Wüste der Seele“

Hier geht es nicht um Aufregung, sondern darum, wie man ihr widersteht. „Go With The Flow“ heißt einer der eingängigsten Songs der Queens of the Stone Age: Hier bleibt sogar in der höchsten Nervosität des Rhythmus diese grundsätzliche Gelassenheit, deren Umsetzung auf höchster Präzision baut.

Wie man sie auch in Wien bewundern durfte, an einem heißen Sommerabend, wo Metal, ob Heavy oder nicht, zerflossen wäre. Der Stein hielt stand. Die „hoffnungslose Reise durch die Wüste der Seele“ (wie es in der letzten Zugabe, „No One Knows“, hieß) ging weiter und weiter, bald schnell, bald langsam, immer im Plan. Und das gefiel in der vollen Arena sämtlichen anwesenden verlorenen Generationen (und welcher Generation war/ist diese Koketterie fremd?). Ist ja auch erbaulich, zu einer Musik zu zucken und zu schwitzen, die es aller Voraussicht nach immer geben wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2007)

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