Firmen finden zunehmend Gefallen an der Börse. Beim Eigenkapital schneidet Österreich noch immer schlecht ab.
wien (dom).Österreichs Unternehmen haben im EU-Vergleich eine relative magere Eigenkapitalausstattung. Ende 2005 lag sie laut einer Statistik der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) bei 42,4 Prozent und damit deutlich unter dem EU-Schnitt. Selbst Reformstaaten wie Polen und Ungarn liegen besser.
Im Langzeitvergleich ergibt sich freilich eine deutliche Verbesserung. Noch 1995 lag die Eigenkapitalquote der heimischen Firmen bei nur 29,9 Prozent. Gestiegen ist sie einerseits weil Firmen strategische Investoren hereingenommen haben. Verbessert hat sich die Situation andererseits dadurch, dass viele Firmen den Sprung an die Börse wagten bzw. bereits börsenotierte Firmen Kapitalerhöhungen durchzogen. Auch die steigenden Aktienkurse haben die Eigenkapitalquote nach oben geschraubt.
Österreichs Firmen sind zwar noch immer sehr kreditlastig. Sie finden aber zunehmend Gefallen an einer Finanzierung über die Börse. 2006 lag der Finanzbedarf der Unternehmen bei 19,8 Mrd. Euro. 10,4 Mrd. Euro entfiel auf Eigenkapital, mehr als 90 Prozent davon – genau 9,7 Mrd. Euro – wurden über Börseemissionen aufgebracht. Trotz der im europäischen Vergleich noch immer unterdurchschnittlichen Eigenkapitalquote emanzipieren sich Österreichs Unternehmen allmählich von der Kreditfinanzierung, betonte OeNB-Direktor Peter Zöllner.
Frankenkredite halbiert
Private Equity und Venture Capital spielten im Vorjahr mit 158 Mio. Euro noch eine vergleichsweise bescheidene Rolle. Neue Bankkredite wurden im Vorjahr für insgesamt 5,7 Mrd. Euro aufgenommen. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 holten sich die Firmen 9,8 Mrd. Euro Fremdkapital von den Banken. Mit Krediten wurden überwiegend Investitionen sowie Fusionen und Übernahmen finanziert.
Bei den Bankkrediten setzen die heimischen Firmen laut OeNB überwiegend auf den Euro. Die Fremdwährungskredite haben sich von Ende 2002 bis jetzt von 24 auf zwölf Mrd. Euro halbiert. Bei Privatpersonen ist das anders: Vor allem für Wohnbau und Hauskauf sind Kredite in Schweizer Franken nach wie vor extrem gefragt.
Die Finanzierung über Anleihen ist bei Österreichs Firmen noch relativ schwach ausgeprägt. Mehr als die Hälfte der Emissionen entfällt auf Asfinag, ÖBB, BIG, OMV und EVN. Die im In- und Ausland notierten Aktien österreichischer Unternehmen (ohne Banken und Versicherungen) hatten Ende 2006 einen Marktwert von 82 Mrd. Euro. Die fünf größten Unternehmen (OMV, Verbund, Telekom, Voestalpine und Immoeast) machen davon mehr als die Hälfte aus.
FIRMEN-FINANZEN
Aktienfinanzierung wird bei den Firmen immer beliebter. 2006 wurden über die Börse zehn Mrd. Euro aufgebracht.
Kredite dominieren aber nach wie vor. Bei der Eigenkapitalquote liegt Österreich im EU-Vergleich weit hinten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2007)