Banken: UniCredit: Milliardenklage

HVB-Kleinaktionäre fordern Schadenersatz.

München/wien (dom/ag). Mit schwerem Geschütz fahren unzufriedene Aktionäre der HypoVereinsbank (HVB) gegen die UniCredit auf: Eine Gruppe von acht Investoren brachte gestern, Freitag, beim Landgericht München eine Klage ein. Sie fordern von der Mailänder Großbank und Mutter der HVB Schadenersatz in Höhe von 17,35 Mrd. Euro. Neben der UniCredit werden auch UniCredit-Chef Alessandro Profumo sowie HVB-Chef Wolfgang Sprißler verklagt.

Die Kläger werfen der UniCredit vor, die HVB bei der Integration in den UniCredit-Konzern massiv geschädigt zu haben. Vorstand und Aufsichtsrat der Münchner Großbank hätten sich dabei den Weisungen der italienischen Konzernspitze gebeugt, obwohl diese zum Nachteil der HVB und ihrer restlichen Aktionäre waren.

Aufs Korn nehmen die Kläger, die rund 1,5 Prozent der HVB-Aktien halten, besonders den Verkauf der BA-CA-Mehrheit an die UniCredit. Die Italiener hätten dafür um 12,4 Mrd. Euro zu wenig gezahlt, heißt es in der Klageschrift. Um 1,5 Mrd. Euro zu wenig hat die UniCredit nach Ansicht der rebellischen Kleinaktionäre für die polnischen BA-CA-Tochter bezahlt, die HVB-Fondsgesellschaften Activest und Nordinvest kaufte sie um 2,6 Mrd. Euro zu billig.

In der kommenden Woche rechnen die HVB-Kleinaktionäre in München ein letztes Mal mit ihrer Bank ab. Für Dienstag und Mittwoch ist eine Hauptversammlung anberaumt, die den „Squeeze out“ – sprich Rausschmiss – der verbliebenen Kleinaktionäre beschließen soll. Die UniCredit hält bereits 95,5 Prozent der HVB-Aktien und will die restlichen Aktionäre gegen eine Zwangsabfindung aus dem Unternehmen drängen. Sie bietet dafür aber nur 38,26 Euro je Aktie, was den Kleinaktionären viel zu wenig ist. Aktuell liegt der Kurs der HVB-Aktie bei mehr als 42 Euro.

Bei der BA-CA wurde der Squeeze out im Mai beschlossen. Und auch in Österreich sind die Kleinaktionäre unzufrieden. Die UniCredit bietet 129,40 Euro je Aktie, der aktuelle Kurs liegt bei knapp 145 Euro. Gegen den HV-Beschluss wurden drei Anfechtungsklagen eingebracht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2007)

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