Einigkeit in der Mediaprint; weiter warten auf Kuhn-Entscheid.
Unübersehbar steigen zwischen Wien und Essen kleine Rauchwölkchen in die Luft. Die WAZ („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“) und Hans Dichand rauchen derzeit des Öfteren miteinander eine Friedenspfeife. Wenig dringt nach außen, nur so viel: Der seit langem schwelende Streit vor dem Schweizer Schiedsgericht ist derzeit eingefroren. Es gibt keine weiteren Termine, solange die Gespräche unter den Hälfte-Hälfte-Eigentümern der „Kronen Zeitung“ laufen.
Im Streit um die Chefredaktion (Dichand-Sohn Christoph wurde gegen den Willen der WAZ installiert; Michael Kuhn von Dichand sen. als Chefredakteur entlassen) schauen alle Seiten in Richtung Obersten Gerichtshof. Dichand hatte den OGH angerufen, nachdem Arbeitsgericht und Oberlandesgericht Wien die Entlassung Kuhns für rechtsunwirksam erklärt hatten – in den kommenden Tagen wird mit einer Entscheidung gerechnet, ob sich der OGH der außergerichtlichen Revision Dichands annimmt oder nicht. Das Schiedsgericht jedenfalls hat signalisiert, erst die Entscheidung des OGH abwarten zu wollen, bevor man sich mit der Chefredakteursfrage befasst.
Äußeres Zeichen des Tauwetters ist die Einigung über die Mediaprint-Geschäftsführung im Rahmen des Mediaprint-Gesellschafterausschusses. Wie bereits erwartet worden war, wird Bernhard Schneider (derzeit für die WAZ Geschäftsführer bei der Europress Holding in Zagreb) die Agenden der WAZ in der Mediaprint vertreten; Thomas Kralinger, der im September „Kurier“-Geschäftsführer wird (bis Jahreswechsel gemeinsam mit Hans Georg Otto, der dann in Pension geht), vertritt den „Kurier“; ATV-Chef Franz Prenner soll nach Angelika Serschön die „Kronen Zeitung“ repräsentieren, was allerdings davon abhängt, ob der künftige Eigentümer von ATV bereit ist, Prenner vorzeitig aus seinem Vertrag zu entlassen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2007)