OeNB: Bankensystem ist krisenresistent

(c) Reuters
  • Drucken

Stresstest: Osteuropa bringt weiter hohe Gewinne, aber „eine österreichische Bank“ riskiert dort zu viel.

wien (ju).Das österreichische Bankensystem wäre durch eine Finanzkrise in einem oder mehreren osteuropäischen Ländern nicht gefährdet. Eine der sechs stark in den Reformländern engagierten österreichischen Großbanken könnte in diesem Fall aber ins Schwimmen kommen, weil sie in diesem Raum nicht beherrschbare Risken eingegangen ist. Das ist das Ergebnis eines Banken-„Stresstests“ der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), der am Dienstag im Rahmen des Finanzmarkt-Stabilitätsberichts 2007 der Notenbank veröffentlicht wurde.

Den Namen der betroffenen Bank wollte OeNB-Direktoriumsmitglied Josef Christl bei der Präsentation des Berichts nicht nennen. Die Nationalbank hatte erst kürzlich in einem Prüfungs-Rohbericht die niedrige Eigenmittelausstattung der stark in Südosteuropa engagierten Hypo Alpe-Adria kritisiert.

Konkret heißt es im Stabilitätsbericht, das österreichische Bankensystem würde eine krisenhafte Entwicklung in Osteuropa „gut verkraften“. Die Eigenmittelquote „einer Bankengruppe, deren Quote nahe der Acht-Prozent-Grenze liegt“ würde in diesem Fall aber unter das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß von acht Prozent fallen. Und weiter: „Aus Einzelbanksicht zeigt der Stresstest, dass das Risiko durch das Engagement in den Ländern Zentral- und Osteuropas für alle bis auf eine Bank beherrschbar ist“.

Größte Risiken in Ungarn geortet

Grundsätzlich mahnt die Notenbank aber alle Geldinstitute, die Eigenmittelunterlegung ihrer Osteuropa-Expansion besser im Auge zu behalten. Die ist in letzter Zeit wegen der starken Ausweitung des Geschäfts in der Region nämlich leicht gesunken. Besonders das rasche Wachstum der Fremdwährungskredite, speziell in Ungarn und Kroatien, hat die Nationalbank ein wenig alarmiert. Am größten ist der „Stress“ derzeit in Ungarn, hier müssten die Risken von den heimischen Banken „sehr genau beobachtet“ werden, meint die Nationalbank.

Insgesamt ist Osteuropa aber derzeit die „Gelddruckmaschine“ der heimischen Banken: Während das Inlandsgeschäft weiter schwach ist, legt das Osteuropageschäft kontinuierlich zu. Selbst wenn die Sondereffekte durch die Umstrukturierung der BA-CA-Gruppe und den Verkauf einer Raiffeisen-Tochterbank in der Ukraine heraus gerechnet werden, erzielen die sechs in Osteuropa tätigen Großbanken schon 38,7 Prozent ihres konsolidierten Vorsteuerergebnisses (und 20,3 Prozent der Bilanzsumme) in der „CEE-Region“.

Keine Gefahr durch Hedgefonds

Keine Probleme drohen dem österreichischen Bankensystem laut Nationalbank von den international immer stärker werdenden, risikoreichen Hedge Fonds. Das „Exposure“ österreichischer Banken gegenüber Hedge Fonds betrage mit 2,7 Mrd. Euro nur sechs Prozent der Eigenmittel. Da sei die „Ansteckungsgefahr“ (Christl) selbst im (nicht so unwahrscheinlichen) Falle einer größeren internationalen Hedgefondskrise eher gering.

BANKEN im „Ost-Stress“?

Österreichs Banken würden eine Finanzkrise in Osteuropa gut überstehen. Ein Institut würde laut OeNB-„Stresstest“ allerdings Eigenmittelprobleme bekommen. Welche Bank das sei, behält die Notenbank für sich. Riskant sei derzeit vor allem das Ungarn- und das Kroatien-Geschäft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2007)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.