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Zwischen Zitat und Plagiat

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Hochschulrecht: Schlecht zitiert ist nicht stets gleich plagiiert, aber wo liegt die Grenze?

INNSBRUCK. Mit zuverlässiger Regelmäßigkeit rückt das Thema der Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten (Diplomarbeiten, Dissertationen, Habilitationsschriften, etc.) in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Doch was genau ist ein Plagiat in wissenschaftlichen Arbeit?

Der sehr ernsthafte und teils folgenschwere Vorwurf des Plagiierens ist stets einer strengen Prüfung zu unterziehen. Dabei ist zu beachten, dass das österreichische Recht – wenngleich das Gesetz an keiner Stelle den Ausdruck „Plagiat“ verwendet – zwei unterschiedliche Formen von Plagiaten kennt, mit unterschiedlichen Kriterien und Rechtsfolgen.


Fremde Gedanken, eigene Arbeit

Allgemein betrachtet ist das Plagiat in einer wissenschaftlichen Arbeit das Gegenstück zum Zitat. Gemeinsam haben Zitat und Plagiat die Verwendung fremden Gedankengutes. Der Unterschied liegt in der Art der Verwendung und der damit verbundenen Absicht. Ein Zitat mag etwa dazu dienen, sich auf eine fachliche Autorität zu berufen, oder dazu, zu belegen, von wem ein bestimmter Gedankengang stammt. Stets dient es jedenfalls dazu, fremdes Gedankengut in die eigene Arbeit zu integrieren und als solches kenntlich zu machen. Beim Plagiat hingegen wird das übernommene Gedankengut gerade nicht als solches kenntlich gemacht. Wesen des Plagiates ist es, dass sich sein Verwender die fremden Gedanken als die eigenen anmaßt.

Bei der Beurteilung eines Textes als Plagiat ist juristisch in erster Linie zwischen dem urheberrechtlichen und dem hochschulrechtlichen Aspekt zu unterscheiden. Während das urheberrechtliche Plagiat vor allem privatrechtliche Folgen auszulösen vermag, liegen die Folgen des hochschulrechtlichen Plagiats primär im Bereich des öffentlichen Rechts.

Das Urheberrecht stellt strenge Anforderungen an die Verwendung fremden Gedankengutes. Damit ein Werk zitiert werden darf, muss es veröffentlicht (beim so genannten kleinen Zitat) oder erschienen (beim großen Zitat) sein. Stets muss das Zitat als solches kenntlich gemacht werden, etwa durch Anführungszeichen, Einrückungen oder Kursiv-Schreibung. Darüber hinaus muss dem Zitat eine im Gesetz geregelte Quellenangabe beigestellt werden. Sie muss deutlich und so genau sein, dass sie ein Auffinden der zitierten Stelle im Quellwerk leicht (also ohne weitere Recherche) ermöglicht.


Urheberrecht ist Privatsache

Wer gegen diese Anordnungen verstößt, kann (nur) von dem zur Rechenschaft gezogen werden, in dessen Urheberrecht er eingegriffen hat. Es können insbesondere Unterlassungs- und sogar Beseitigungsansprüche geltend gemacht werden sowie Forderungen auf Schadenersatz und Gewinnherausgabe erhoben werden. Auch strafrechtliche Folgen sind in Gestalt einer Geldstrafe denkbar. Doch auch die strafrechtliche Verfolgung ist von der Zustimmung des Verletzten abhängig. Urheberrechtsverletzungen werden also nur geahndet, wenn dies der Verletzte anstrebt, nicht aber von Amts wegen.

Das Hochschulrecht schafft eine andere Form von Plagiatsschutz. Einerseits ist er insofern enger als jener des Urheberrechts, als hier keine Vorgaben für die Quellenangabe vorgesehen sind. Daher kommen die in den einzelnen Disziplinen üblichen Zitierregeln zum Tragen, die zum Teil weniger streng sind als das Urheberrechtsgesetz. Daher kann ein Text zwar ein Plagiat im Sinne des Urheberrechts darstellen, nicht aber im Sinne des Hochschulrechts. Andererseits hat der Plagiatsschutz im Hochschulrecht das Ziel, die Eigenständigkeit einer Arbeit und nicht fremde Urheberrechte zu schützen. Daher liegt auch dann ein Plagiat vor, wenn ein gar nicht urheberrechtlich geschütztes Gedankengut (z. B. wissenschaftliche Lehren, Werke deren Schutzfrist abgelaufen ist) als das eigene ausgegeben wird.

Außerdem ist bei einem Plagiat im Hochschulrecht auch darauf einzugehen, wie es sich auf die jeweilige Arbeit auswirkt. Ein nur nebensächliches, für die Arbeit unbedeutendes Plagiat ist im Hochschulrecht in der Regel nicht zu ahnden. Weiters sind, außer im Rahmen der Benotung, kraft verwaltungsrechtlicher Anordnung nur vorsätzlich, nicht aber fahrlässig verwendete Plagiate zu ahnden (zu denken ist an das bloß schlampige Zitieren).

Die Rechtsfolgen eines hochschulrechtlichen Plagiats sind im Gegensatz zum Urheberrecht durch die zuständige Behörde von Amts wegen wahrzunehmen. Den Plagiaten kann durch die Benotung, den Widerruf einer Benotung und den Widerruf eines akademischen Grades begegnet werden. Das Führen eines nicht rechtmäßig, also z. B. durch ein Plagiat, erlangten akademischen Grades ist darüber hinaus strafbar. Die Geldstrafe kann bis zu 15.000 Euro betragen.

Mag. Putzer ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeits- und Sozialrecht, Wohn- und Immobilienrecht und Rechtsinformatik der Universität Innsbruck.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2007)