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Wiener Polizei: Gewaltvorwürfe von "Spiegel"-Korrespondentin

Eine deutsche Journalistin wurde nach eigenen Angaben von der Wiener Polizei misshandelt. Auslöser: Sie fuhr mit dem Rad bei Rot über eine Kreuzung. Nach der Amtshandlung stellten Ärzte bei der Deutschen Blutergüsse und Prellungen fest.

Marion Kraske, die als Wien-Korrespondentin für das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" arbeitet, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Wiener Polizei. Nach Angaben der Journalistin wurde sie nach einem Verkehrsdelikt von den Beamten misshandelt. Nach ihrer Darstellung in der Wiener Wochenzeitschrift "Falter" rollte Marion Kraske am 13. Juni mit dem Fahrrad bei Rot über die Kreuzung. Ein Streifenwagen bremste, zwei Beamte forderten sieben Euro Geldstrafe.

Kraske fand aber weder Geld noch Papiere, nur eine "Spiegel"-Visitenkarte. Sie sei bereit, die Strafe zu überweisen, sagte sie, und ersuchte die Beamten, im Büro anzurufen. Dort könne eine Sekretärin die Identität unbürokratisch klären. Nach Angaben Kraskes beharrten die Beamten jedoch auf einem offiziellen Dokument.

Behandelt wie eine "Schwerverbrecherin"

Weil die Korrespondentin keines vorweisen konnte, wurde sie festgenommen. Doch sie weigerte sich, wegen so einer "Lappalie" mitzukommen. Kraske versuchte sich "loszumachen". Dabei traf sie einen Beamten im Gesicht. Die Polizei spricht davon, dass die Journalistin dem Beamten "eine Ohrfeige" verpasst habe. Daraufhin sei sie wie eine "Schwerverbrecherin" behandelt worden, sagte Kraske.

Ein Beamter habe sie plötzlich auf den Polizeiwagen geschmissen. Im Anschluß wurde sie auf den Boden gedrückt und ihre Hände auf den Rücken gefesselt. Einer der beiden Beamten habe auf ihrem Rücken gekniet und ihre Arme nach oben gezogen - "so, dass es besonders weh tut", sagte Kraske. Dannach wurde sie auf eine Polizeiwachstube gebracht. Bei einer Untersuchung im Wiener Unfallkrankenhaus seien nach ihrer Freilassung Blutergüsse und Prellungen sowie zwei Schürwunden festgestellt worden. "Es ist das erste Mal, dass ich körperliche Gewalt erleben musste", sagte Kraske.

Deutsche Botschaft interveniert bei Plassnik

Nach Angaben des "Falter" richtete die deutsche Botschaft deshalb eine "Note" an Außenministerin Ursula Plassnik. "Der Spiegel" wandte sich den Angaben zufolge an VP-Innenminister Günther Platter und an den Wiener Polizeipräsidenten. Der Auslandschef des Hamburger Magazins, Gerhard Spörl, sagte: "Das ist ein Vorfall, den man in einem mitteleuropäischen Land nicht erwarten würde." Platter wollte sich am Mittwoch zu diesem "angeblichen Vorfall" nicht äussern, kündigte aber eine Untersuchung an.

In der Führungsetage der Polizei nahm man diesen Protest laut dem Bericht mit Verwunderung zur Kenntnis. Man sei sich "wirklich keiner Schuld bewusst", sagt ein ranghoher Beamter. "Diese Dame vom 'Spiegel'" hätte sich eben den Anordnungen der Polizei fügen sollen." Der Wiener Polizeichef Karl Mahrer hielt aber fest, dass die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde. Diese ermittle nun gegen die Polizisten, aber auch gegen Marion Kraske. Die Journalistin wurde von den Beamten wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt angezeigt. Wie der ORF am Mittwoch berichtete, wurde ihr eine Strafverfügung über 281 Euro wegen der verschiedenen Verwaltungsübertretungen zugestellt. Das Verfahren gegen die Beamten dagegen war bereits mit 22. Juni eingestellt worden. (Ag./Red.)