Vom Vorsitz der Bioethikkommission sollte Johannes Huber sich noch trennen müssen.
Gesetzt, ich würde Ihnen hier (wieder einmal) über zuckerfreie, aber koffein- und säurehaltige Erfrischungsgetränke vorschwärmen – und nur ästhetische und/oder gesundheitliche Motive für mein Engagement nennen. Durch Zufall kämen Sie mir drauf, dass ich nennenswerte Anteile an der Firma besitze, die diese Getränke produziert: Sie wären enttäuscht, würden mir fortan weniger vertrauen, vielleicht sogar die Leserschaft verweigern. Wenn ich Ihnen dann später, wie auch schon passiert, mit großen Worten zum Besuch eines Bob-Dylan-Konzerts raten sollte, wären Sie zu Recht misstrauisch: Wer weiß, vielleicht bin ich Compagnon der Konzertagentur...
Eine ähnliche Enttäuschung ist mir unlängst passiert. In einem teilweise in dieser Zeitung wiedergegebenen, freundlich geführten und – zumindest dachte ich das – offenen Gespräch sprach ich den allseits bekannten Arzt Johannes Huber auf die massive Kritik an seinem medialen Engagement für die Zelltherapie und die Firma „Cell Med“ an. Verstehe er denn nicht, dass da der Verdacht auf Geschäftemacherei aufkommt?
Aber nein, er habe keinen Euro verlangt, die Therapie nur „zum Selbstkostenpreis“ angeboten, versicherte mir Huber mehrmals und nannte nur hehre Gründe für sein Engagement – in so gütigem Tonfall, dass ich nach dem Telefonat fast beschämt war: Wie kann man nur so einem edlen Diener der leidenden Menschheit andere als idealistische Interessen unterstellen?
Mit keinem Wort deutete Huber an, was einige Tage später ans Licht kam: dass er und Sepp Leodolter, mit dem gemeinsam er in „News“ die „Medizin-Sensation“ verkündet hatte, an der Firma „Cell Med“ beteiligt sind. Gewiss, danach hatte ich ihn nicht ausdrücklich gefragt, dass die Verflechtung so manifest ist, hätte ich mir nicht gedacht.
Ja, so verliert man seine Naivität. Und wird selbst argwöhnisch. Jetzt könnte ich mir z.B. vorstellen, dass die „Erbgutanalyse mit Dr.Huber“, die für eine „Anti-Aging-Kreuzfahrt“ rund um Allerheiligen 2007 versprochen wurde, irgendetwas mit den Gentests zu tun haben könnte, die die Firma „GenoSense“ entwirft, an der Huber ebenfalls beteiligt ist...
Ist aber jetzt egal. Schließlich hat Huber, der sich, wie er im erwähnten Gespräch klagte, „instrumentalisiert“ fühlt, die Kreuzfahrt abgesagt. Und seit Mittwoch will er auch aus der Firma „Cell Med“ aussteigen.
Gut so. Mit den Anteilen an „GenoSense“ und der gynäkologischen Ordination am Wiener Rudolfinerspital („Mozat“) bleibt ihm ja etwas. Als „Hormonpapst“ hat man auch genug Segnungen zu verrichten, von der Stelle als Abteilungsleiter am Wiener AKH einmal abgesehen, für die ist wohl dazwischen noch Zeit.
Aber von einem Amt – das ihm, wie wir, bei allem nun erlernten Argwohn, annehmen wollen, wirklich finanziell nichts bringt – sollte er sich noch trennen müssen: vom Vorsitz der österreichischen Bioethikkommission. Denn Bioethik ist nicht auf die Ontologie embryonaler Stammzellen zu reduzieren, sie hat auch mit geschäftlichen Interessen zu tun und damit, ob und wie diese mit dem Hippokratischen Eid zu vereinen sind. Offenheit ist jedenfalls die primitivste Voraussetzung, um glaubwürdig über Bioethik zu reden. Johannes Huber hat sie nicht gezeigt.
thomas.kramar@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2007)