Die Raiffeisen Zentralbank präsentiert ihre vor acht Jahren erworbene Aquarell-Sammlung der Wiener Künstlerfamilie Alt.
Es soll der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein: Raiffeisen Zentralbank und Liechtenstein Museum wollen künftig öfters kooperieren, wie RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner und Museumsdirektor Johann Kräftner am Dienstag versicherten – und nicht nur beim Sommerfest der Bank, das bisher beim Belvedere gefeiert wurde, diesmal aber erstmals bei der Konkurrenz im neunten Bezirk stattfand. In der Bibliothek des Liechtenstein Museums kann man außerdem bis 20.August fast ein ganzes Jahrhundert Aquarellkunst der Familie Alt sehen, einige Ölbilder und eine kolorierte Lithografie – als Ergänzung zur großen Biedermeier-Schau des Hauses.
Aus Besitz von Waffenfabrikant
Seit acht Jahren besitzt die RZB diese Rarität, 59 Blätter Jakob Alts sowie seiner Söhne Rudolf und Franz, eine Sammlung, die vom Waffenfabrikanten Carl Roth Anfang des 20.Jahrhunderts angelegt und von der RZB erworben wurde. Die perfekten Blätter Rudolfs (1812–1905) bilden das Zentrum.
Zum jüngeren Bruder Franz (1821–1914), der im selben Haus wohnte, gab es zuweilen ein gespanntes Verhältnis. Rudolf habe sich nicht gescheut, die Blätter des Bruders zu korrigieren, als sie bereits ausgestellt waren, erzählte Kräftner. Franz orientierte sich beruflich bald eigenständig, unterrichtete Adelige, malte für sie und genoss zeitweilig höheres Ansehen als der Ältere. Ein Bild wie „Kirche am Leopoldsberg und Blick auf Wien“ (1835) lässt ahnen, warum Franz Alt damals so beliebt war.
Alle drei sind absolute Könner der Landschaft, man betrachte etwa Jakob Alts „Ruine Gutenstein an der Piesting“. In Reisen durch Österreich und Italien erarbeiteten sich Vater und Sohn eine Motivsammlung. Die heute so hoch geschätzten Aquarelle bildeten nur die Basis. Lukrativer waren die Ölbilder, die nach diesen Vorlagen entstanden.
Zu den schönsten Stücken gehören Rudolfs frühes Werk „Der Dachstein vom vorderen Gosausee“ (1838), „An der Traun nächst der Saline in Bad Ischl“ (1842) und „Hinterer Langbathsee“ (1869) mit einer unglaublichen Palette von Grau- und Grüntönen. Diese Werke haben europäisches Format. Auch ein Blatt des immer wieder von ihm gemalten Stephansdoms (eine Innenansicht um 1870) zeigt, wie frei und souverän Alt mit der Form umging.
Deutlich ist auch der Bruch, der durch einen Wechsel der Papiersorte entsteht. Die späteren Blätter vergilbten rasch, Alt musste verstärkt mit Deckweiß arbeiten. Interessantist, wie zuweilen an Bilder angestückelt wurde, weil der Künstler mit dem Ausschnitt nicht zufrieden war. „Das Goldene Dachl in Innsbruck“ (1865) ist ein Beispiel für diese ungewöhnliche Technik.Sie mindert nicht das Meisterhafte.
Zu sehen bis 20.August.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2007)