On the Job. Trainings für Arbeit suchende Akademiker.
Frisch fertig mit dem Studium, aber ohne Job. Diese Situation kennt fast jeder junge Akademiker. Die frisch gebackenen Universitäts-Absolventen müssen oft monatelang auf einen Job warten. Nachdem die Diplomarbeit oder Dissertation abgeschlossen ist, gilt man zwar als Spezialist in seinem Fachgebiet, doch Spezialisten sind schwer vermittelbar. Nur breit gefächertes Fachwissen und die Kenntnis verschiedener Arbeitsmethoden helfen bei der Suche nach einem neuen Job.
AMS vermittelt Akademiker
Julia Riefler, Magistra der Naturwissenschaften, weiß wovon sie spricht: „In Wien eine Stelle im Wissenschaftsbetrieb zu finden, ist keine leichte Sache.“ Das FWF-Projekt, in dem Riefler am Institut für Pflanzenschutz an der Boku angestellt war, lief Ende 2006 aus. Daraufhin war sie arbeitslos gemeldet und schrieb weiter an ihrer Dissertation. Im dritten Monat der arbeitslosen Zeit wurde sie vom Arbeitsmarktservice (AMS) auf die Möglichkeit des Arbeitstrainings hingewiesen. Dieses hat zum Ziel, Absolventen von schulischen oder akademischen Einrichtungen ohne Berufserfahrung den Eintritt ins Berufsleben zu erleichtern.
„Mietbare Wissenschafterin“
Im Fall von Frau Riefler war die Sache schnell geregelt: Der Vorstand des Instituts für Pflanzenschutz, Prof. Johann Glauninger, unterzeichnete ihren Wunsch, für die Einschulung in Geräte und Labortechniken sowie die Mitarbeit in verschiedenen Arbeitsgruppen eingesetzt zu werden. Den Antrag zur „Förderung der beruflichen Mobilität“ muss der Arbeitssuchende selbst beim AMS einbringen. Nach wenigen Tagen hatte Riefler schon einen positiven Bescheid und fing Anfang März 2007 an der Boku als „mietbare Wissenschafterin“ an. Verschiedene Arbeitsgruppen des Instituts können sie einstellen, während das Geld weiterhin vom AMS kommt. Einige Zeit lernte sie dort labortechnische Verfahren zur Aufzucht von Milben, dann wurde sie bei den Molekularbiologen gebraucht.
„Es ist eine echte Win-Win-Situation“, meint Jung-Akademikerin Riefler. Sie selbst konnte sich über das Arbeitstraining eine Vielzahl von Techniken und Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens aneignen. Der Vorteil für das Institut ist, dass man ohne Geldmittel zu motivierten Arbeitskräften kommt, die bei Routinearbeiten helfen. Nach kurzer Einschulung übernimmt der Trainee Aufgaben, die unerlässlich, aber für den Forscher zeitraubend sind.
Erfolgreiche Methode
„Das Arbeitstraining ist eine Maßnahme, die außerordentlich gut greift“, ist Riefler froh, auf diese Art Praxis gesammelt zu haben. „Nur so habe ich molekularbiologische Techniken gelernt, ohne die ich nie den Job bekommen hätte, für den ich mich vor kurzem beworben habe.“ Sie konnte also direkt vom Arbeitstraining in eine fixe Stelle wechseln. Am Zentrum für Hirnforschung der Medizin-Uni Wien hat sie ab Juni in der Fachgruppe für Molekulare Biologie und Neuronale Zellbiologie zu arbeiten begonnen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2007)