Die Hoteliervereinigung fordert eine höhere Zuwanderungs-quote und dass die Grenzen für Arbeiter aus den EU-Ländern spätestens bis 2009 geöffnet werden.
WIEN/Goldegg (mk/APA). In Österreichs Tourismuswirtschaft zeichnet sich ein Personalengpass ab. In Wien rechne man spätestens im Zuge der Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr mit massiven Problemen. „Ich suche seit fünf Monaten einen Restaurantleiter“, sagt Peter Peer, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Den Einwand der Gewerkschaft Vida, man solle statt Zuwanderung die Ausbildung von Lehrlingen forcieren, kann er nicht nachvollziehen. „Wir haben auch zahlreiche offene Lehrstellen, für die wir niemanden finden.“
Um das Mitarbeiterproblem zu lösen, fordert die Hoteliervereinigung eine höhere Zuwanderungsquote und dass die Grenzen für Arbeiter aus den EU-Ländern rasch – spätestens bis 2009 – geöffnet werden. „Wir brauchen Zuzug. Wir können von Fremden nicht nur Geld verlangen und von ihnen leben“, sagt Sepp Schellhorn, ebenfalls Präsident der Hoteliervereinigung. Denn gerade Gäste aus Osteuropa haben in den vergangenen Jahren der österreichischen Tourismuswirtschaft zu deutlichen Umsatzsteigerungen verholfen.
Es tue dem Tourismusland Österreich nicht gut, wenn sich der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Christoph Leitl, nicht klar für eine Liberalisierung ausspreche, kritisiert Schellhorn. „Die Angst der Gewerkschaften vor einem Lohndumping ist unbegründet.“
Tourismus-Masterplan gefordert
Was dem Tourismusstandort Österreich ebenfalls schade, sei dass das Land keine Tourismusstrategie habe, meint Peer. Laut einer Studie von Roland Berger verursache die fehlende Abstimmung der Tourismus-Werbung hierzulande bis 2015 einen Umsatzentgang von 4,8 Mrd. Euro. Die Schweiz, die ähnlich föderalistisch organisiert ist wie Österreich, zieht in Tourismusfragen viel stärker an einem Strang. „Dort sieht man auf jedem Folder, egal von wem er ist, das Edelweiß als einheitliche Dachmarke. In Österreich hingegen verwenden die Landestourismusorganisationen oft nicht einmal das Logo der Österreich Werbung“, sagt Peer.
„Jedes Unternehmen hat Ziele, aber Österreichs Tourismuswirtschaft hat keine“, sagt Peer. Er fordert, dass Experten diesen „Masterplan“ entwickeln und festlegen, bis wann welche Ziele erreicht werden sollen. Die Tourismusstrategie sollte nicht nur eine bessere Koordination nach sich ziehen, sondern auch Initiativen in der Ausbildung setzen.
Geld ist offenbar in dieser Frage nicht das Hauptproblem. Denn laut Roland Berger liegt das Gesamtbudet der Schweiz Tourismus mit 45 Mio. Euro unter dem der Österreich Werbung von 52,5 Mio. Euro.
Im vergangenen Winter erzielte die Schweiz ein Plus von 4,2 Prozent bei den Nächtigungen. In Österreich wurde hingegen ein Minus von rund einem Prozent verzeichnet. Die Schweiz habe es auch geschafft, ihre Gästeschichten zu verjüngen, während Österreichs Touristen immer älter werden, sagt Schellhorn.
ZAHLEN UND FAKTEN.
Die österreichischen Beherbergungs- und Gaststättenbetriebe haben im Vorjahr im Jahresschnitt 125.890 Inländer und 42.100 ausländische Arbeitskräfte beschäftigt. Die größte Gruppe der ausländischen Beschäftigten stammte aus Ex-Jugoslawien (17.678 Personen), gefolgt von Deutschland (8379) und der Türkei (5976 Personen).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2007)