Unternehmer Cordt soll Treuhänder für Elsner gewesen sein.
Wien. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt nun ernsthaft im Zusammenhang mit dem Kauf des bulgarischen Mobilfunkanbieters MobilTel. Die Untersuchungen leitet niemand geringerer als Staatsanwalt Georg Krakow, der bereits der Ankläger in drei laufenden großen Wirtschafts-Kriminalfällen ist: Bawag, BBAG-Insiderhandel und Amis. Dies bestätigt der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Gerhard Jarosch, der „Presse“.
Krakow nimmt fünf Personen aufs Korn: Die früheren Bawag-Vorstände Helmut Elsner, Christian Büttner, Peter Nakowitz und Johann Zwettler sowie den Unternehmer Herbert Cordt. Es geht um den Verdacht der schweren Untreue, wobei natürlich für alle fünf Personen die Unschuldsvermutung gilt. Der Strafrahmen reicht bis zu zehn Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Konten der Bawag geöffnet.
Der Hintergrund: Das Unternehmer-Konsortium Martin Schlaff, Josef Taus und Herbert Cordt hat 2001 die MobilTel um 800 Mio. Euro mit Hilfe eines Bawag-Kredits gekauft und drei Jahre später um 1,6 Mrd. Euro an die Telekom Austria weiterverkauft. Diesbezüglich kam die Telekom-Führung unter Heinz Sundt ins Kreuzfeuer der Kritik, weil ihr vorgeworfen wurde, die MobilTel nicht direkt, sondern von Schlaff überteuert gekauft zu haben.
„Organisierte Kriminalität“
Gekauft haben Schlaff und Co. vom russischen Geschäftemacher Michail Chernoy, der laut einem der „Presse“ vorliegenden Akt des Bundeskriminalamts als „Angehöriger der russischen organisierten Kriminalität“ gilt. In zahlreichen europäischen Ländern wird gegen ihn ermittelt, mehrere Länder und auch Bulgarien haben ihn mit Einreiseverbot belegt.
Das Dreier-Konsortium wird von Schlaff dominiert: Taus hat bei seiner Einvernahme im Banken-U-Ausschuss angegeben, dass er nur Treuhänder für Schlaff war. Offensichtlich sollte der renommierte Geschäftsmann und ehemalige ÖVP-Obmann die bulgarische Regierung von der Seriosität des Geschäfts überzeugen.
Auch Cordt soll nach den Vermutungen der Staatsanwaltschaft Treuhänder gewesen sein, und zwar für Helmut Elsner und Casinos-Ex-Chef Leo Wallner. Während gegen Wallner kein Verdacht vorliegt, soll Elsner am Verkauf der MobilTel an die Telekom Austria persönlich mitverdient haben. Den Tatbestand der Untreue würde das insoferne erfüllen, als ja die Bawag selbst das Geschäft hätte machen können. Die hat sich aber mit dem Zinsgewinn begnügt. Weiters sollen Elsner und die anderen Bawag-Vorstände ihre Befugnisse überschritten haben.
Verbindung zu Mord?
Im Zuge der Untersuchungen im Banken-U-Ausschuss taucht auch ein weiteres brisantes Dokument auf: Das Bundeskriminalamt stellt einen mutmaßlichen Zusammenhang zwischen dem MobilTel-Verkäufer Michail Chernoy und einem Mord in Perchtoldsdorf her. Dort wurde am 10. 3. 2000 ein gewisser Krassimir Stoychev von unbekannten Tätern ermordet. Sein ebenfalls dort lebender gleichnamiger Sohn ist der Gründer der MobilTel. Die Polizei vermutet, dass der Anschlag eigentlich dem Sohn galt. Ob Stoychev die MobilTel direkt an Chernoy verkaufte oder dazwischen noch andere Eigentümer waren – wie etwa der Diamantenhändler Lev Leviev –, liegt im Dunkeln.
Das Bundeskriminalamt hat sich jedenfalls eindeutig gegen eine mögliche Einreise von Chernoy nach Österreich ausgesprochen – trotz mehrmaliger Interventionen von Schlaff, Taus, Wallner und Elsner. Erfolgreich war der Vorstoß der damaligen Außenministerin Benita Ferrero-Waldner: Chernoy erhielt im Mai 2003 ein Visum.
WER VERDIENTE WAS?
Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit dem Kauf der bulgarischen MobilTel wegen Untreue gegen die vier Ex-Bawag-Vorstände Helmut Elsner, Christian Büttner, Peter Nakowitz und Johann Zwettler sowie den Geschäftsmann Herbert Cordt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2007)