Auch Bestatter lachen manchmal

(c) DiePresse (Clemens Fabry)
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Das Geschäft der Bestattung Wien ist kein amüsantes – gefeiert wird trotzdem.

Spätestens seit „Six feet under“ weiß man, dass auch hinter Bestattungsunternehmen ganz normale Menschen stecken. Aber wie viel hat die US-Fernsehserie rund um die Bestatterfamilie Fisher tatsächlich mit der Wirklichkeit zu tun? „Leider ist das Geschäft nicht ganz so amüsant“, sagt Christian Fertinger, Geschäftsführer der Bestattung Wien. In der Durchführung sei die Arbeit überhaupt nicht lustig, „und das wäre auch nicht im Sinne der Hinterbliebenen“.

Gerade für den Umgang mit Angehörigen in einer schwierigen Situation müssten eben besondere Regeln gelten. Daher gibt es strenge Richtlinien, wie sich Mitarbeiter zu benehmen haben. Die in beinahe jedem Betrieb kursierenden Witze per E-Mail etwa sind bei der Bestattung untersagt. Aber Scherze zwischen den Mitarbeitern gebe es natürlich – schließlich sind auch Bestatter Menschen und keine Maschinen.

„Mittrauern bringt nichts“

Dass die Mitarbeiter im Dienst traurig schauen müssen, stimmt allerdings nicht. „Das hilft dem Kunden nichts“, meint Peter Holeczek, Leiter des Kundenservice. Trauernde Angehörige würden kein Mitleid brauchen sondern einen professionellen Ansprechpartner. Allerdings gebe es schon Situationen, die auch Profis belasten: „Eine Frau, die bei einem Motorradunfall starb, war unansehnlich. Und dann wollte die 9-jährige Tochter sie noch einmal sehen“, erzählt Holeczek und ringt dabei sichtlich um Fassung.

In solchen Situationen sei das Gespräch mit Kollegen wichtig, die einander gegenseitig Hilfestellung geben. Psychologische Hilfe gebe es auch von der Betriebsärztin, doch werde diese Möglichkeit nur selten in Anspruch genommen. Man bekomme aber auch viel zurück, etwa positives Feedback von Angehörigen: „Am schönsten ist es, wenn der Kunde sogar mit einem Lächeln weggeht.“

Ganz alltäglich ist die Arbeit rund um den Tod aber nicht. Sobald etwa bei Urlaubsbekanntschaften das Gespräch auf den Beruf kommt, ernten Bestatter verwunderte Blicke. „Also, ich könnte das nicht“, hört etwa Andreas Pollassek immer wieder. Er ist einer der drei ausgebildeten Thanatopraktiker des Landes. Rund 185 Verstorbene hat er bereits so präpariert, dass sie im offenen Sarg aufgebahrt werden können – eine Praxis, die aus „Six feet under“ bekannt, in Österreich aber noch nicht allzu weit verbreitet ist.

„Unser Humor ist kein schlechter“

Seit elf Jahren ist der gelernte Tischler nun schon bei der Bestattung Wien, geträumt hat er von seiner Arbeit aber noch nie. Er betont, dass seine Arbeit professionell und mit Würde im Umgang mit den Toten durchgeführt werden muss. Aber das Menschliche komme dabei auch nicht zu kurz: „Alle Bestattungsunternehmer haben einen eigenen Humor“, meint er, „und das ist kein schlechter.“

Ein bisschen davon sollen die Gäste beim Tag der offenen Tür anlässlich der 100-Jahr-Feier am Samstag mitbekommen. „Auch als Bestattungsunternehmen können wir ganz normal feiern“, sagt Direktor Fertinger. „Es wird kein Umtata geben, aber ich gehe davon aus, dass auch gelacht werden wird.“

TAG DER OFFENEN TÜR

Zeit: Sa. 30. Juni, 10 - 20 Uhr

Ort: 4., Goldeggasse 19

www.bestattungwien.at("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2007)

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