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Streit: Gleiches Wimbledon-Preisgeld sorgt für Diskussion

Tatiana Golovin (FRA).
EPA (Olivier Hoslet)

Erstmals seit 123 Jahren bekommen Damen und Herren das gleiche Preisgeld. Manche finden dies ungerecht. Laut "Daily Mail" schuften Herren viel härter als Frauen.

Beim Tennis-Turnier in Wimbledon sorgt ein Bruch mit der Tradition für Diskussion. Doch nicht das Schiebedach für den altehrwürdigen Center Court erregt bei den Regen-Festspielen in Londons Südwesten die Gemüter, sondern die Preisgeld-Reform des All England Clubs. Erstmals seit 123 Jahren wird bei dem bedeutenden Grand-Slam-Tennisturnier nämlich der gleiche Lohn für Damen und Herren gezahlt. Die Gleichbehandlung ist in Melbourne und New York schon seit Jahren selbstverständlich. Im vorigen Jahr haben die French Open nachgezogen - und nun also auch Wimbledon.

"Es ist ungerecht, weil die Herren viel härter schuften müssen als die Damen", titelte die "Daily Mail" und beschrieb auf einer ganzen Seite, dass beispielsweise der viermalige Champion Roger Federer sein Geld viel mühsamer verdienen müsse als Vorjahressiegerin Amelie Mauresmo. "Die Rechnung ist doch ganz einfach", so die britische Zeitung, "Federer muss drei Sätze gewinnen - Mauresmo nur zwei".

Für den mit jeweils rund 70.000 Euro entlohnten Einzug ins Achtelfinale benötigte der Titelverteidiger aus der Schweiz 9 Sätze mit 84 Spielen; er verdiente also rund 834 Euro pro Spiel. Vorjahressiegerin Mauresmo strich dagegen für 6 Sätze mit 46 Spielen 1.522 Euro pro Spiel ein. Dass Federer nach der Absage des verletzten Deutschen Thomas Haas sein Achtelfinal-Preisgeld am Montag für Nichts kassierte, ist eine Ausnahmesituation.

Während sich viele der aktuellen Tennisstars um eine klare Stellungnahme herummogelten - wer will schon in den Geruch kommen, ein Feind der Gleichberechtigung zu sein - nahm BBC-Kommentator Michael Stich kein Blatt vor den Mund. "Ich finde die Entscheidung nicht richtig", sagte der Wimbledonsieger von 1991. Der gleichen Meinung war All-England-Clubpräsident Tim Phillips noch im vorigen Jahr, nachdem der viermalige Champion Federer 45.000 Euro mehr als Mauresmo kassiert hatte: "Es scheint uns nicht gerecht zu sein, dass die Damen in drei Wettbewerben antreten und verdienen können." Einspruch kam daraufhin sogar vom damaligen Premier Tony Blair.

Der Chef der Spielerinnen-Organisation WTA, Larry Scott, nannte die Entscheidung "einen historischen Moment". Ein dickes Lob kam auch von Tennis-Ikone Billie-Jean King. "Das Damen-Tennis ist führend im Damen-Sport. Gleiches Preisgeld ist da doch überhaupt keine Frage", meinte die Gewinnerin von 20 Titeln auf dem "Heiligen Rasen".

Die dreimalige Einzelsiegerin Venus Williams aus den USA lobte: "Das größte Tennis-Turnier der Welt ist noch größer geworden." Auch John McEnroe, der drei Mal im Herren-Einzel triumphierte, begrüßte die Entscheidung: "Bei einem Turnier mit Herren und Damen ist eine unterschiedliche Bezahlung aberwitzig." (APA/Red)