"Was ihr wollt" auf Schloss Rosenburg im Kamptal.
In Illyrien ist die Illusion zu Hause. Bei Shakespeare. Und auf der Rosenburg, wo sich heuer die Handlungsstränge von „Was ihr wollt“ auf einer aufblasbaren, mit fantasievollen Stoffen bezogenen Matratzen-Bühne kreuzen. Die luftgefüllte Spielstatt in der Mitte des Festspielzelts macht den Gang der Mimen wackelig, lässt sie bei jedem Schritt ein wenig versinken – so wie die Herzen der Titelhelden in den falschen Hoffnungen der Liebe und wie deren Geist, der getäuscht und geblendet wird von verkehrten Vorstellungen. Die Bühne kann noch mehr: Sie ist das wogende Meer, in dem ein Seemann das edle Fräulein Viola vor dem Ersaufen rettet und so den Gang der Dinge erst in Bewegung setzt, sie ermöglicht wilde (aber harmlose) Raufhandel, bei denen die Streithanseln in Salti durch die Luft wirbeln wie Kinder in einer Luftburg. Sogar ein Trampolin steht da, der Bauchfleck lässt nicht auf sich warten.
Mann als Frau als Mann
Alexander Waechter, seit 2004 Leiter der allsommerlichen Shakespeare-Festspiele auf der Rosenburg, spielt diesmal nicht selbst mit – und tritt doch auf: als Harlekin-Stab-Puppe des Narren, die immer frech dazwischenquatscht. Seine Regie ist kurzweilig, bisweilen klamaukhaft und ziemlich schräg. Wie in Shakespeares Zeiten spielen (mit einer Ausnahme) nur Männer, sie schlüpfen in Frauenrollen (Robert Herzl als schmachtende Olivia) und, noch schwieriger, in die Rolle der als Mann verkleideten Frau (Markus Mössmer als Viola, die als fistelstimmiger Cesario beim Herzog Dienst tut), was das Verwirrspiel zwischen den Geschlechtern noch verstärkt. Herzl und Mössmer vollbringen dabei eine Meisterleistung, weil sie jeweils drei Rollen besetzen (Olivia/Antonio/Seemann bzw. Viola/Cesario/Sebastian) und einmal rauflustig, das andere Mal weibchenhaft agieren müssen.
Christian Strasser mimt als in die emotionale Irre geführter Haushofmeister Malvolio erst den geckenhaften Gockelhahn und legt dann im kurzen Glückstaumel eine komödiantische Glanznummer hin, flötet und taumelt vor Glück ins Unglück, dass das Publikum über den Unglückswurm Tränen lachen kann. Georg Schubert rülpst sich als Sir Toby ziemlich rüde durch die Rolle des Rüpels und zeigt sich – trotz Bauchattrappe – gewandt im Zweikampf mit Clemens Matzka. Der ist ein schnöselig-doofer Sir Andy von der bleichen Wange, eine der tragischen Figuren in dem Spektakel; wie ein verirrter Clown schaut er aus mit dem grün-gemusterten Pyjamaanzug und der Prinzenperücke. Dass die einzige Frau im Ensemble, Claudia Kottal, den scharfzüngigen Narren spielt, zeigt, dass Waechter nichts dem Zufall überlässt. Sie hält gemeinsam mit der frechen Puppe den adeligen Narren den Spiegel vor.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2007)