Kosmisch (und unfreiwillig komisch): Symposium „Quantum Mind“ an der Uni Salzburg.
Manchmal, wenn man mich zu schnell fragt, vor allem, wenn es draußen heiß ist, kann ich mich nicht so recht entscheiden, ob ich lieber in einem Universum leben will, das der heterotischen Stringtheorie mit Eichgruppe O(32) gehorcht, oder in einer Welt, die durch die Theorie vom Typ IIA beschrieben wird, oder in einem Kosmos, der die Theorie vom Typ IIB erfüllt.
Das ist doch völlig obsolet, seit Edward Witten gezeigt hat, dass alle diese Theorien nur Spezialfälle der M-Theorie sind, werden Sie mir entgegnen (und sich womöglich auf eine alte Wissenschaftsseite der „Presse“ berufen). Außerdem: Wer wisse denn, ob sich wirklich alle überzähligen Dimensionen brav einrollen? Was all die Branes in der Zwischenzeit tun?
Ja, gewiss, das muss man sich fragen. Aber wenn's draußen heiß ist, darf man sich doch unschuldig freuen, wenn man auf de.uncyclopedia.wikia.com die Definition findet: „Die Stringtheorie ist ein physikalisches Modell, das sämtliche im Universum ablaufenden physikalischen Vorgänge mit Hilfe von Analogien zu Unterwäsche beschreiben möchte. Sie postuliert damit die Vereinigung von Physik, Psychologie und Sexualinformatik.“ Da wird dann auch der heterotischen Theorie eine homoerotische gegenübergestellt und das Zubereiten von Gerichten aus dem Fisch namens Calabi-Yau empfohlen...
Wem solche Ironie zu billig ist, den kann vielleicht aufheitern, was ein Mann, der einst Superstring-Physiker war (und es auch heute noch zu sein vorgibt), so von sich gibt. Z.B. ruft er uns auf: „Besitze diese Para-Ebene des Denkens, ergreife das Feld des Seins, welches dein eigenes unbegrenztes Selbst ist. Erfasse das Selbst. Erkenne dein Selbst, dein unbegrenztes universelles Selbst, dessen Natur Unsterblichkeit und reine Wonne ist.“ Der Mann heißt John Hagelin, hat zweimal für das Amt des Präsidenten der USA kandidiert und ist uns aus skurrilen Spam-Mails bekannt, in denen er verkündet, mittels transzendentaler Meditation 1)fliegen und 2)die Welt retten zu können.
Wer Hagelins Heilslehren hören will, hat dazu am 17.Juli in Salzburg Gelegenheit. Er spricht über „Realistic Superstring Mechanisms for Quantum Neuronal Behaviour“ bei einem Symposium namens „Quantum Mind“. Dieses wird – im Ernst! – ganz offiziell an der Universität Salzburg abgehalten. Angekündigt sind auch andere „SpitzenwissenschafterInnen“ wie der Chemiker Lothar Schäfer, der gern über die „Evolution aus platonischen Formen“ philosophiert und in Salzburg über „Aspects of Cosmic Consciousness“ vorträgt, oder der Anästhesiologe Stuart Hameroff, der das Bewusstsein in den Mikrotubuli der Zellen ortet. Eine mir nicht aktenbekannte Françoise Lepine nennt ihr Referat gar „Principles of Quantum Buddhism“.
Offenbar sucht sich die Uni Salzburg angesichts übergroßer naturwissenschaftlicher Konkurrenz eine Nische in der Esoterik. Man kann ihr noch einen Kooperationspartner empfehlen: Im Burg-Hotel in Oberlech heilt ein „Energie- und Personalcoach“ laut Aussendung „energielos gewordene Menschen mit seiner Quantenlehre“. Eine Dame namens Sissy, „Prinzessin zu Bentheim und Steinfurt, geb.Böhm“ soll durch die Behandlung schon „quantenfit“ geworden sein. Und wollen wir das nicht alle sein?
thomas.kramar@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2007)