Analyse: Konglomerate des 21. Jahrhunderts

Private Equity Fonds schwimmen in Milliarden und bezahlen bei Übernahmen derzeit nahezu „Fantasiepreise“. Steht die Branche vor ihrem Zenit?

Wien. Früher einmal war die Welt der Wirtschaft ganz einfach. Einst kontrollierten die Rockefellers die US-Ölindustrie und der Stahl kam von Krupp. Wer heute nach den Regenten der Wirtschaft sucht, wird wohl früher oder später bei den großen Private Equity Fonds wie Blackstone, KKR oder Carlyle landen. Diese drei größten Fonds der Welt zusammen kontrollieren Beteiligungen im Wert von über 200 Mrd. Dollar (rund 150 Mrd. Euro). Das ist mehr als der Wert aller an der Wiener Börse notierten Unternehmen zusammen.

„Heuschrecken“ und Finanziers

Die riesigen Kapitalsammelbecken kontrollieren teilweise ganze Industriezweige und haben mit geborgtem Geld Portefeuilles zusammengekauft, die den Konglomeraten alter Prägung immer mehr gleichen. Der Unterschied ist nur: Die Betriebe werden nicht von Industriellen, sondern von Bankern geführt. Diese optimieren zwar die Bilanzen der Unternehmen, bringen das Unternehmen selbst aber nicht immer voran. Das vom früheren deutschen SPD-Chef Franz Müntefering geprägte Bild der gefräßigen „Heuschrecke“ stimmt daher nur zum Teil. So lassen sich Fonds, die alte Industriebetriebe mit großen Eigenkapitalpolstern übernehmen, häufig großzügige Sonderdividenden ausschütten. Einmal überleben Unternehmen diese Prozedur, wenn Betriebe aber mehrfach auf diese Weise „optimiert“ werden, geht das auf die Substanz. Die so „ausgesaugten“ Firmen überleben wahrscheinlich die nächste Rezession nicht, aber bis dahin haben die Fonds längst Kasse gemacht.

Doch dieses Bild ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite zeichnet eine Untersuchung des deutschen Fachmagazins „Finance“ unter 13 deutschen Mittelständlern, die an Private Equity Fonds verkauft wurden. Demzufolge sind die meisten Fonds nicht „gefräßig“, sondern sie schießen in der Regel sogar Kapital für die Expansion oder für Übernahmen zu, verbessern die Strukturen und oft auch den bei von Unternehmern geführten Betrieben vernachlässigten Finanzbereich. Beispiele dafür gibt es auch in Österreich: In Österreich hat KKR etwa Zumtobel bei der Expansion geholfen und die Schweizer Capvis dem Autozulieferer Polytec.

Die Fonds investieren häufig in verschiedene Branchen, um ihr Risiko zu streuen. Das Problem dieser neuen Konglomerate ist dasselbe wie jenes der Bauchläden der Vergangenheit: Sie verzetteln sich in zu vielen Branchen und verstehen die Industrien, in die sie investieren, zu wenig. Immer wieder verzweifeln Industrie-Manager, wenn sie in einem Übernahmestreit einem Fonds unterliegen, der einen „Fantasiepreis“ bezahlt, der sich niemals verdienen lässt.

Fonds mit Geld überschwemmt

Das Problem der Fonds ist, dass sie aufgrund der guten Renditen der Vergangenheit mit Geld überschwemmt werden, es aber nur verhältnismäßig wenige gute Übernahmeobjekte gibt. Pessimisten orten wegen der wenig rentablen Milliardendeals bereits eine Private Equity Blase und erklären die zahlreichen Börsegänge der Fonds (siehe oben stehender Bericht) damit, dass die Branche ihren Höhepunkt bereits erreicht hat und die Gründer schnell noch abkassieren. Belegen lässt sich diese Behauptung nicht. Wahr ist indes, dass die Renditen der Fonds laut dem europäischen Branchenverband EVCA von durchschnittlich 20 Prozent Ende der neunziger Jahre auf rund zwölf Prozent pro Jahr gesunken sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2007)

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