Das Geschäft mit österreichischen Kunden wird von München und Mailand gesteuert. Die BA-CA ist nur noch für das Geschäft in den meisten Reformländern letztverantwortlich.
WIEN.Österreichs größte Bank, die BA-CA, ist innerhalb des UniCredit-Konzerns nur noch für das Osteuropageschäft letztverantwortlich, die Kompetenzen für das österreichische Privat- und Firmenkundengeschäft sind im Zuge des UniCredit-Konzernumbaus nach Mailand beziehungsweise München abgezogen worden. Das geht aus einer Vorlage für die außerordentliche Hauptversammlung der UniCredit am 28. Juli hervor, bei der die Fusion der BA-CA-Mutter mit der italienischen Capitalia abgesegnet werden soll.
„Erste europäische Bank“
Ein Sprecher der BA-CA sagte im Gespräch mit der „Presse“, die Divisionalisierung sei bereits seit Oktober 2006 vollzogen, man habe das „in dieser Schärfe“ freilich noch nicht kommuniziert. Von den fünf Kompetenzbereichen der Gruppe seien zwei in Mailand, zwei in München und eine in Wien angesiedelt, man habe also „die erste wirklich europäische Bank“ kreiert. Dies manifestiere sich auch darin, dass BA-CA-Manager in hohe Konzernfunktionen in München und Mailand aufgerückt seien und im Konzern mitbestimmen.
Die UniCredit hatte wie berichtet die deutsche HVB-Gruppe übernommen, die wiederum zuvor die österreichische BA-CA gekauft hatte. Jetzt sieht die Struktur so aus:
•Das „Retail“-Geschäft, also jenes mit privaten Kunden und Kleinbetrieben bis drei Mio. Euro Jahresumsatz, wird für die Märkte Italien, Deutschland und Österreich von Mailand aus gesteuert. Die in den jeweiligen Ländern tätigen Filialbanken der Gruppe – UniCredit, HVB und BA-CA – seien die „Haupt-Vertriebsnetzwerke“ für die Mailänder Division. Für das Detailgeschäft in Österreich sei freilich auch die unter der Konzernsparte angesiedelte österreichische Retail-Division zuständig.
•Die „Corporate“-Division, für das Geschäft mit Unternehmen jenseits der Drei-Millionen-Euro-Umsatzgrenze in Italien, Österreich und Deutschland zuständig, hat ihren Sitz bei der HVB in München.
•Ebenfalls in München sind die Investmentbankaktivitäten der Gruppe (Markets & Investmentbanking Division) zusammengefasst.
•Die BA-CA in Wien schließlich steuert das Geschäft in den Ländern Mittel- und Osteuropas (CEE) mit Ausnahme Polens, das von Warschau aus gemanagt wird.
Das Osteuropageschäft macht rund 21 Prozent der UniCredit-Konzernerträge aus. Und damit annähernd gleich viel wie die in München zusammengefassten Corporate-Aktivitäten.
Größter Bereich im Konzern
Mit Abstand größter Bereich im Konzern ist freilich das in Mailand konzentrierte Retailgeschäft für Italien, Österreich und Deutschland, das 34 Prozent der Erträge beisteuert.
Der BA-CA-Sprecher sagte, durch die Untergliederung in einzelne Länderdivisionen sei der Einfluss des lokalen Managements auf die regionalen Märkte relativ groß. Experten sehen das freilich als Garantie für Reibungsverluste: Die Divisionen seien über relativ starke, als Aktiengesellschaften organisierte regionale Einheiten wie die HVB oder die BA-CA drübergestülpt worden. Derzeit hätten die Divisionen die Oberhand, auf Dauer könne aber nur eine „einheitlichere und eindeutige Organisationsform“ – sprich: eine noch stärkere Zentralisierung – vorprogrammierte Konflikte vermeiden.
Derzeit versucht die UniCredit gerade, die letzten verbliebenen Kleinaktionäre aus der BA-CA und der HVB hinauszudrängen. Ein Zusammenhang mit dem Konzernumbau wird allerdings bestritten.
Eile ist freilich angesagt: UniCredit-Chef Alessandro Profumo hatte kürzlich erklärt, die Integration von BA-CA und HVB in den Konzern laufe viel schneller als geplant. Deshalb sollte auch das Auskaufen der Kleinaktionäre vorgezogen werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2007)