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Stein am Schädel

Justitia ist nicht nur blind, sie ist auch taub und herzlos.

Wie anders könnte es sonst möglich sein, dass sie einer kirchenmausarmen Gemeinde den Fund kostbarer Meteoriten vorenthält? Im April 2002 ging über dem Tiroler Reutte ein Sternenhagel nieder. Eines der Trümmer schlug auf einer Geröllhalde im Gemeindegebiet ein. Der deutsche Physiker und Bergsteiger Karl Wimmer fand den Brocken und ließ ihn schätzen: 200.000 Euro soll er wert sein, das Naturhistorische Museum in Wien würde ihn nur allzu gerne kaufen. Schließlich soll das Ding 48 Millionen Jahre um die Sonne gekreist sein. Kreisen, nein, rotieren tut nun auch der Bürgermeister von Reutte: Er hatte nämlich vor dem Landgericht in Augsburg auf Herausgabe der stellaren Preziose geklagt – und verloren. Nach Ansicht des Gerichts handelt es sich nämlich um keinen „Schatz“ im zivilrechtlichen Sinn (dann müssten Wimmer und Reutte halbe-halbe machen) und auch keinen natürlichen „Zuwachs“ (dann stünde er der Gemeinde zu).

Kein Wunder also, dass die Gemeinden bei den Finanzausgleichsverhandlungen so fuchtig sind. go


pizzicato@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2007)