Waren die „Schwarzen“ hartherzige Sparmeister, sind die „Roten“ fleißige Geldausgeber für Kultur – auch zum eigenen Nutzen.
Die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) lassen wegen mangelnder Disposition ihr Orchester ein halbes Jahr spazieren gehen, was 1,5 Mio. Euro kostet. Peanuts, bedenkt man, dass die Stadt Wien den VBW seit 1992 rund 262 Mio. Euro spendierten. Bei der neuerlichen Ronacher-Sanierung wurden zunächst die Finanzierungskosten verschwiegen. Periodisch flackern zwischen den VBW-Managern Scharmützel wegen des Budgets auf, die immer eilig niedergebügelt werden, weil es peinlich ist, dass man offenbar die Kosten für die Oper im Theater an der Wien unterschätzt hat. Die Festwochen verlieren Besucher. Wirkt sich das auf die Subventionierung aus? Nein. Wir sind in Wien, wo manche Steuergeld aus der Gießkanne erhalten und andere im Euro-Millionen-Platzregen stehen. Gelegentlich fließen ein paar Millionen aus der Kultur an parteinahe Vereine. Hauptsache alle kriegen was. Dann sind sie still.
Wer dagegen ist, ist ein Kunst-Feind. Das Geld-Feuerwerk schädigt die Glaubwürdigkeit von Subventionen. Wenn eh alles gefördert wird, warum dann bitte nicht meine Gartenzwerg-Kolonie? Regierende aller Couleurs schmücken sich eben gern mit Kultur. Dabei ist nicht immer Qualität ausschlaggebend, sondern wer die besten Verbindungen hat. Das sieht man nun auch in der Steiermark. Die SP schafft sich ein neues Kulturfestival namens Regionale und lässt den Steirischen Herbst darben. All dies ist nicht neu, aber immer wieder ärgerlich.
(Bericht: S. 24)
barbara.petsch@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2007)