Die großen organisatorischen Änderungen kann die SPÖ nicht durchsetzen – dabei gäbe es auch sonst genug Reformbedarf.
Und wieder einmal kann die SPÖ nur einen minimalen Teil ihrer Vorstellungen umsetzen. Statt des verpflichtenden Vorschuljahres für alle dürften nun nur jene Kinder zu einem Kindergartenjahr verpflichtet werden, die auf sprachlichem und sozialem Gebiet Aufholbedarf haben. Auch beim größten Wunsch der SPÖ, der Gesamtschule, haben am Schluss ja nur ein paar Schulversuche herausgeschaut.
Vielleicht sollten die Sozialdemokraten sich bei ihrem Kernthema Bildung auf jene Bereiche konzentrieren, die sie als ressortmäßig Zuständige politisch auch umsetzen können. Wie wäre es beispielsweise mit einem Kulturwandel in den Schulen: Weg von einer Schule, die primär auf Selektion und Notendruck aufgebaut ist, hin zu einer, in der die Lehrer sich als Förderer der Schüler verstehen. Das ist kein Widerspruch zum Leistungsgedanken. Lehrer und Schüler müssten gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten. Oder wie wäre es, wenn man sich einmal die Schwachstellen im Bereich der Schulaufsicht genauer ansieht? Über den Anteil der Schulinspektoren am Pisa-Debakel wurde bisher gnädig hinweggesehen.
Natürlich: Große organisatorische Weichenstellungen sind spektakulärer und lassen sich besser verkaufen. Aber eine echte Qualitätsverbesserung an den Schulen wird man nur erreichen können, wenn man sie von innen heraus reformiert. (Bericht: S.2)
martin.fritzl@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2007)