Der CO2-Hype wächst sich zu einer der größten globalen Abzock-Aktionen aus.
Jetzt haben wir auch „Live Earth“ überstanden. Sie wissen schon, die weltweite Konzertserie, bei der rund 150 Musiker gegen die Klimakatastrophe angesungen haben. Bei der Gelegenheit wurden, hat „Spiegel online“ errechnet, 110.000 Tonnen CO2 zusätzlich in die Luft geblasen. Aber wir wollen nicht kleinlich sein: Ein bisschen Kollateralschaden tritt schon auf, wenn so viele Menschen zusammenkommen.
Orchestriert hat das Ganze Al Gore. Sie wissen schon, der Ex-US-Vizepräsident mit dem riesengroßen persönlichen „CO2-Footprint“ (Privatjet und so), der mit dem Umwelt-Hype ein Vermögen gemacht hat. Etwas mehr als 100 Millionen Dollar, um genau zu sein.
Der Mann zeigt jedenfalls vor, wie es läuft: Der CO2-Hype wächst sich zur globalen Abzocke und zur bisher größten Umverteilungsaktion von unwissenden Zahlern zu „Auskennern“ aus.
Zahler gibt es ja genug, auch bei uns. Wir zahlen unter anderem Ökostromzuschlag, Zuschläge für die Beimischung von Biodiesel (ein besonderer Schildbürgerstreich, weil die energie- und kunstdüngerintensive Biodieselproduktion fast keine CO2-Verminderung gegenüber Erdöl bringt) und erhöhte Mineralölsteuer. Das läppert sich.
Nicht, dass einen das stören würde: Auskenner haben sich die Öko-Zuschläge für die nächsten paar Tausend Jahre längst zurückgeholt. Wer etwa Aktien von Solarunternehmen wie First Solar (plus 268 Prozent seit Jahresbeginn), Solon (plus 101 Prozent) oder Solarworld (plus 60 Prozent) oder von Windkraftbetreibern wie Nordex (plus 146 Prozent) gekauft hat, den schrecken Öko-Zusatzkosten nicht.
Ein bisschen unfair ist das aber. Denn diese Unternehmen sind samt und sonders in einem Bereich tätig, dessen Produkte angeblich nicht marktfähig sind. Und deshalb über Öko-Zuschläge hoch subventioniert werden müssen. Wenn da solche Renditen drin sind, kann man sagen: zu hoch. Da wird ordentlich „übersubventioniert“. Und da werden überall in Europa einfache Stromkonsumenten abgezockt, damit sich wenige Leute goldene Nasen verdienen.
Das ist eine von (überwiegend dem Agro-Sektor nahestehenden) Lobby-Gruppen verschuldete Fehlentwicklung, die umgehend korrigiert gehört. Auch und gerade im Sinne des Klimaschutzes.
josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2007)