Milliardenschlacht um die Spitze der Aluindustrie

(c) AP (Paul Chiasson)
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Übernahme: Alcan holt sich Rio Tinto als weißen Ritter.

New York/Wien (eid/ag.). Während in der europäischen Kupferindustrie ein Dreikampf zwischen der österreichischen A-Tec von Mirko Kovats, der Norddeutschen Affinerie und der belgischen Cumerio tobt, zeichnet sich in der Aluminiumindustrie eine Milliardenschlacht um die Weltspitze ab. Denn der kanadische Aluminiumkonzern Alcan will sich Zeitungsberichten zufolge mit dem weltweit zweitgrößten Bergbaukonzern Rio Tinto zusammenschließen, um die feindliche Übernahme durch den US-Rivalen Alcoa abzuwehren. Rio Tino würde damit die Rolle des „weißen Ritters“ übernehmen – ein Konzern, der einem anderen beisteht, um ihn vor einer Attacke zu bewahren.

Gleichzeitig verdichten sich Spekulationen, dass die Nummer eins im Bergbau, BHP Billiton, auf Partnersuche ist, um eine Übernahme von Alcoa um 40 Mrd. Dollar zu stemmen. Wunschpartner soll der Megafonds Blackstone sein. Blackstone hat sich dafür Ex-US-Finanzminister Paul O'Neill als Berater geholt, der von 1987 bis 1999 Alcoa-Chef war.

Alcoa hat Anfang Mai ein Kaufoffert über knapp 30 Mrd. Dollar für Alcan gelegt. Die Kanadier lehnten dies mit dem Hinweis, es sei zu niedrig, ab. Alcoa verlängerte dennoch am Dienstag das Angebot – allerdings ohne es zu erhöhen. Die „Times“ berichtet nun, dass Rio Tinto kurz vor einem Angebot über 34 Mrd. Dollar für Alcan stehe. Das Unternehmen habe die Deutsche Bank und die Credit Suisse beauftragt, mehrere strategische Optionen zu prüfen, sagten Insider. Der kanadische Aluminiumproduzent ist derzeit an der Börse 31,75 Mrd. Dollar wert. Alcan-Aktien schossen seit Bekanntwerden der Übernahmepläne von 65 auf 90 Dollar hoch.

Hohe Preise, volle Kassen

Für das Fusionskarussell in der Metall und Bergbaubranche, das Lakshmi Mittal im Vorjahr mit der Übernahme von Europas größtem Stahlkonzern Arcelor in Gang gesetzt hat, gibt es handfeste Gründe: Die große Nachfrage aus China und Indien treibt die Preise, was wiederum die Kassen der Konzerne füllt. Das erleichtert Akquisitionen. Mit ihnen rüsten die Konzerne rund um den Globus gegen den nächsten Abschwung – denn auch die längste Bonanza ist einmal zu Ende, meinen Experten.

WEISSER RITTER REITET WIEDER

Rio Tinto, weltweit zweitgrößter Bergbaukonzern soll dem kanadischen Aluminiumproduzenten Alcan gegen den US-Giganten Alcoa zu Hilfe eilen.

Eine Fusion mit Rio Tinto soll die feindliche Übernahme durch Alcoa verhindern. Alcoa selbst wird von BHP Billiton umworben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2007)

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