"ImPulsTanz" kommt ohne Motto aus, aber nicht ohne die Größen des zeitgenössischen Tanzes.
Einen Monat lang ist Wien wieder Nabel der Tanzwelt: wenn von 12.Juli bis 12.August das ImPulsTanz-Festival stattfindet. Am Puls von ImPuls sitzt Intendant Karl Regensburger – wenn er nicht gerade unterwegs ist, um Neues zu sehen. „Natürlich gibt es auf unserem Festival auch Uraufführungen, aber wir versuchen schon, alle Stücke vorher zu sehen, zu diskutieren. Und wenn wir etwas Interessantes auf Video entdecken, wollen wir es erst einmal live sehen, denn oft gibt es ausgezeichnete Videos, aber die Live-Performance enttäuscht.“ Bei der Uraufführung von „Sister“ wird es keine bösen Überraschungen geben: Eine Hommage an Anne Teresa De Keersmaeker (die mittanzt) vom Ex-Rosas-Tänzer Vincent Dunoyer (14., 16.7., Volkstheater). Die langjährige Rosas-Tänzerin Fumiyo Ikeda hat für „Sister“ früher Getanztes aus den Erinnerungen geborgen, woraus Dunoyer eine neue Choreografie entstehen lässt. Auch bei „Nine Finger“ tritt Ikeda als treibende Kraft auf: Gemeinsam mit Alain Platelund Benjamin Verdonckstellt sie sich dem Thema Krieg, inspiriert von einem Buch über Kindersoldaten in Afrika.
Plötzlich geht's auch um religiöse Fragen
So verschieden die Künstler, so kontrastreich die Performances. Ein übergreifendes Motto suchte Regensburger bewusst nicht. Inhaltlich ortet er aber eine neue Entwicklung: „Es ist eigenartig, dass sich Tanzproduktionen verstärkt mit religiösen Fragen beschäftigen – dabei war es lange Zeit chic, das Thema auszuklammern.“ Als Beispiele nennt er Platel oder Sidi Larbi Cherkaoui(„Myth“; 24., 26., 27.7., Volkstheater).
Und was sollte man heuer nicht versäumen? Da fällt Regensburger zu allererst Susanne Linkeein, die, dem Trend zur Rekonstruktion folgend,ihr 1985 entstandenes „Solo mit vier Tänzerinnen“ als „Schritte verfolgen II“ wieder aufnimmt (31.7., Volkstheater). „Spannend“ findet er außerdem die neue Vision von „Extra Dry“, die neue Version des dritten Teils der „Martini-Trilogie“ („Bianco“, „Rosso“ und Gold für „Extra Dry“) von Emio Greco (2.8., Volkstheater).
Ebenfalls empfohlen: Jonathan Burrowsund Matteo Fargion,die das Festival heute humorvoll eröffnen („Both Sitting Duet“; 21Uhr), dann auch „The Quiet Dance“ (20.7.) und ihr neues Stück „Speaking Dance“ zeigen (20.7.; alle Schauspielhaus). Berühmter noch: Edouard Lock und die virtuosen Tänzer von La La La Human Steps,die mit der Europapremiere von „Amjad“ antanzen (7., 9.8., Burgtheater), und Wim Vandekeybus,der seiner Kompanie Ultima Vezden „Spiegel“ vorhält, indem er Sequenzen aus früheren Arbeiten verarbeitet (18., 20.7., Volkstheater). Und die Österreicher? Regensburgers Favorit: Chris Haring, dessen bei der Biennale in Venedig 2007 uraufgeführtes Stück „Posing Project B“ Österreichpremiere hat (8., 10.8., Semper Depot).
DAS FESTIVAL: Die Jungen
Die Nachwuchsschiene [8:tension] zeigt von 15.7. bis 11.8. Arbeiten von Yasmine Hugonnet, Ben J. Riepe, Kettly Noël & Nelisiwe Xaba, Doris Stelzer, Ivana Müller, Katharina Weinhuber, Marie Jerez, Claire Croizé.
www.ImPulsTanz.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2007)