Teamchef Josef Hickersberger freut sich für U20-Spieler, will aber WM-Resultate nicht überbewertet wissen.
Die Presse: Herr Teamchef, wie sehen Sie den Erfolgslauf der U20-Auswahl? Können Österreicher doch gut Fußball spielen?
Josef Hickersberger: Jetzt liegt freilich der Verdacht nahe, dass wir besser sind, als es zuletzt aussah und auch Pessimisten immer behaupten. Der Österreicher macht sich ja gerne schlechter, als er ist, es liegt irgendwie in seiner Natur. Aber in diesem Fall besteht – trotz der sehr erfreulichen, tollen Ergebnisse – die große Gefahr, dass wir diese Spiele überbewerten...
Weil Top-Nationen wie Frankreich, Deutschland, Italien, England oder Kroatien nicht bei der WM spielen?
Hickersberger: Ja, auch. Diese Nationen haben eine hervorragende Nachwuchsarbeit, unsere ist jetzt wegen der WM nicht automatisch besser. Trotzdem, wir sollen uns auch freuen: Eine WM ist eine WM, ich sehe Euphorie, eine Aufbruchstimmung – für Team, U20, U19 und die Euro 2008.
Warum spielen nicht mehr dieser jungen Talente – mit Prödl (Sturm), Kavlak (Rapid), Junuzovic (Kärnten) oder Hackmair (Ried) – öfter bei ihren Liga-Klubs?
Hickersberger: Immerhin spielen diese vier regelmäßig! Das ist der Vorteil der U20-Mannschaft: Sie ist eingespielt, wichtige Spieler bringen Selbstvertrauen und Routine mit. Aber es liegt an den Spielern selbst, sich durchzusetzen. So schön ein WM-Viertelfinale auch ist, es genügt nicht, sich nur gegen Gleichaltrige durchzusetzen. Jetzt müssen sich die Spieler eben gegen die vermeintlich zweitklassigen Legionäre in den Klubs behaupten. Das ist das Um und Auf.
So wie etwa Christoph Leitgeb bei Meister Salzburg?
Hickersberger: Ja. Mein Herz hat gelacht, als ich hörte, dass er Trapattoni an den jungen Nedved erinnert. Da wusste ich, dass er spielen wird. Und es ist wichtig für die Euro, dass er spielt.
Welche Chance hat Ihrer Meinung nach die U19 bei der Heim-EM?
Hickersberger: Es wird sehr schwer. Sie spielt zwar noch besser als das U20-Team, hat aber harte Brocken mit Spanien, Portugal und Griechenland. Das sind andere Kaliber als Kanada oder Kongo. Aber in dieser Mannschaft stecken einige Versprechen für die Zukunft!
Wie wichtig ist für Sie oder das Team diese Bundesliga-Saison vor der Euro 2008? Welche Wünsche, Hoffnungen haben Sie?
Hickersberger: Ich hoffe, dass viele meiner Spieler zum Einsatz kommen, sich nicht verletzen – wir haben halt ein geringeres Potenzial als andere Länder, Spielpraxis ist ganz wichtig, für jede Mannschaft, jeden Spieler und Schiedsrichter.
Die Referees, wieso?
Hickersberger: Ich hätte einen großen Wunsch: Sie sollten Partien mehr laufen lassen, nicht wegen Kleinigkeiten gleich pfeifen. Es stört den Spielfluss, und darunter leidet dann vor allem die Qualität.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2007)