Deutliche Verluste an den US-Börsen erwartet

(c) EPA (Peter Foley)
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Korrektur. Anleger decken sich mit Verkaufsoptionen ein.

New York (Bloomberg/sr). Anleger, die ihr Geld in die größten US-amerikanischen Unternehmen veranlagt haben, könnten kurz vor einer unangenehmen Überraschung stehen. Zahlreiche Börsen-Experten sagen Verluste von fünf bis zehn Prozent an den US-Börsen voraus, einige sprechen sogar von einem Minus von 19 Prozent bis Jahresende. Der Grund für die Negativ-Prognose: Derzeit spekulieren so viele Anleger wie zuletzt 1998 auf einen schwächeren Aktienindex S&P 500. Dieser umfasst die 500 größten börsenotierten Firmen der USA.

Die Zahl der gehandelten Verkaufsoptionen (Put) erreichte im Juni 10,4 Mio. Stück. Put-Optionen geben dem Inhaber das Recht, eine Aktie zu einem künftigen Termin um einen heute fixierten Preis abzustoßen. Fällt der tatsächliche Kurs unter den vereinbarten Preis, verdient der Optionsbesitzer Geld, weil er die Aktie günstig kaufen und sofort teurer verkaufen kann.

Im Moment laufen auf den S&P 500-Index doppelt so viele Verkaufs- wie Kaufoptionen. Es ist zwar nicht außergewöhnlich, dass die Zahl der Put-Optionen jene der Kaufoptionen (Call) übersteigt, da sie zur Absicherung eingesetzt werden. Als „normal“ gilt aber ein Verhältnis von etwa 1,5 zu 1. Experten warnen daher: „Die Leute kaufen Verkaufsoptionen, weil sie damit rechnen, dass der Markt nachgibt“, sagt Stephen Wood von Russell Investment in New York. Er erwartet ein Minus von fünf Prozent.

Die Fondsverwalter von The Leuthold Group rechnen sogar mit einem Minus beim S&P 500 von 19 Prozent bis Jahresende. David Darst von Morgan Stanley Global Wealth Management erwartet eine Korrektur um bis zu zehn Prozent. Er begründet die Entwicklung auch mit der Sorge über schwächere Unternehmensbilanzen im zweiten Quartal.

Gewinnüberraschungen unwahrscheinlich

Eine Sorge, die in den zurückliegenden 15 Quartalen unberechtigt war. Denn im Durchschnitt wurden die Gewinne der 500 Unternehmen im S&P Index von den Analysten stets unterschätzt. Darauf sollten Investoren diesmal nicht hoffen, warnt Andy Engel von der Leuthold Group in Minneapolis. „Vermutlich sind die besten Zeiten vorbei“, sagt er. „Von jetzt an ist vermehrt mit Enttäuschungen zu rechnen.“

NEGATIVE STIMMUNG

Am US-Optionenmarkt spekulieren derzeit mehr als doppelt so viele Anleger auf fallende wie auf steigende Kurse.

Das sei ein Warnsignal, warnen Experten. Sie rechnen daher mit deutlichen Kurseinbrüchen. Die Bandbreite der erwarteten Verluste liegt zwischen fünf und 19 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2007)

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