Tocotronic: "Kapitulation"

Dringlich wie früher.

Viel zu enge Trainigsjacken, viel Mitteilungsbedürfnis, betont unvirtuos: So proklamierten Tocotronic vor auch schon wieder 14 Jahren, Teil einer Jugendbewegung sein zu wollen. Rau und ungestüm. Heute tragen sie feines Tuch und beherrschen ihre Instrumente. Und klingen mit „Kapitulation“ so dringlich wie lange nicht. Mit klaren, präzisen Songs und einer – für ihre Verhätnisse – ebensolchen Sprache: Keine Spur der gefühlsduseligen Märchenlyrik, der Fragilität des Vorgängers „Pure Vernunft darf niemals siegen“. „Kapitulation“ lebt von kalkuliertem Krach, Intensitätsteigerung. Viele Songs klingen nach Ausnahmezustand, allen voran die Single „Sag alles ab“: ein Hohelied aufs Nein-Sagen, runtergeknüppelt als Zwei-Minuten-Punkstück. Dann wieder Melodieseligkeit. Und erst das meisterlich anschwellende Finale! Große Platte.

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