Waldbrände in Apulien: Österreicher sind zurück in Heimat

Ein Helikopter fasst Wasser.
(c) AP (Gregorio Borgia)

40 Österreicher aus den Brandgebieten sind in Innsbruck eingetroffen. Italien will ein Kopfgeld auf die Brandstifter aussetzen.

40 Österreicher, die nach den verheerenden Bränden in Süditalien geflohen sind, sind heute Mittag in Innsbruck angekommen - müde, geschockt, aber unverletzt. Der Rückweg gestaltete sich wegen zahlreicher Straßensperren in den betroffenen Gebieten in Apulien schwierig. Nur noch drei Österreicher befinden sich in den Brandgebieten. Ihr Auto ist beim Brand beschädigt worden und sie bemühen sich, es nach Hause zu bringen", berichtete der österreichische Botschafter in Italien, Christian Berlakovits.

In den Waldbrandgebieten herrschten chaotische Verhältnisse. Zahlreiche Camper aus Österreich und Deutschland haben nahezu alles verloren und mussten selbst mit dem Notwendigsten erstversorgt werden. In zwei Bussen wurden 40 Urlauber aus Österreich und Deutschland nun zurück gebracht. Andere, deren Fahrzeuge nicht Raub der Flammen wurden, machten sich selbst auf den Weg. Aber auch sie mussten wegen zahlreichen gesperrten Straßen lange Verzögerungen in Kauf nehmen.

"Ich hatte Todesangst"

Insgesamt sind 110 Urlauber mit Bussen nach Tirol transportiert worden. Das Flammeninferno überstanden die Touristen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz unverletzt. Die meisten verloren ihre Habseligkeiten.

"Wir sind glücklich, dass wir nur alles verloren, aber dafür unser Leben gerettet haben", meinte ein 63-jähriger Niederösterreicher. Vier Stunden waren er und seine Frau auf der Flucht vor dem Feuer. Nur Ausweise konnte das Ehepaar in Sicherheit bringen. "Es hatte über 45 Grad, die Funken sind geflogen, man hat fast nichts gesehen", erzählten drei Kinder aus Hessen im Alter von zwölf, 14 und 15 Jahren. Mit Handtüchern hatten sie sich vor dem Rauch geschützt. "Ich hatte Todesangst", sagte eine Innsbrucker Mutter, "ich dachte nur, so schnell wie möglich abhauen". Auch sie konnte nur noch wenige Sachen in ihren Rucksack packen.

Die zurückgeholten Urlauber hatten sich vor allem auf Campingplätzen in der Gegend um den Badeort Peschici aufgehalten. Es handelt sich laut der Autofahrerorganisation um 28 Tiroler, neun Steirer, acht Oberösterreicher, sechs Niederösterreicher, zwei Vorarlberger, 49 Deutsche und acht Schweizer - darunter auch etwa 20 Kinder.

Brennende Katzen in Wald gejagt

Nach der verheerenden Brandserie plant Italien eine Offensive gegen Pyromanen. Ein Kopfgeld von 2.000 Euro versprach der Konsumentenschutzverband Codacons für Fotografien von Brandstiftern am Werk. "Wir werden all jene belohnen, die uns konkrete Hilfe bei der Bekämpfung der Plage der Brände leisten", sagte ein Codacons-Sprecher.

Der Chef der italienischen Zivilschutzbehörde, Guido Bertolaso, warnte, dass die Vorgangsweisen der Pyromanen immer grausamer würden. Neben gefährlichen Sprengkörpern, die blitzschnell ganze Brände auslösen, würden viele Brandstifter Benzin auf Katzen schütten, sie anzünden und die brennende Tiere durch die Wälder rennen lassen.

Das Geschäft mit dem Feuer

Obwohl für das Vergehen Waldbrandstiftung vier bis zehn Jahre Haft vorgesehen sind, sind die Feuer eine jährliche Sommerplage in Italien. Laut einem Gesetz darf 15 Jahre lang nicht mehr auf Gebieten gebaut werden, auf denen es gebrannt hat. Hinter den Feuern steckt ein großes Geschäft. Für die Löscharbeiten werden vor allem in den süditalienischen Regionen Hunderte von Förstern angestellt. 8.000 Förster sind in ganz Italien im Einsatz. Die Wiederaufforstung großer Gebiete kostet 2.000 Euro pro Hektar. Allein im vergangenen Jahr hat die italienische Regierung 32 Millionen Euro dafür ausgegeben.

Doch um Brandstifter zu bestrafen, müssen sie auf frischer Tat ertappt werden, was in den seltensten Fällen geschieht. In der Region Marche wurde ein mutmaßlicher Brandstifter festgenommen. Er wurde ertappt, während er mit Benzin ein Feuer anzünden wollte.

Flammen bis zum Meer

Bei den verheerenden Bränden, bei denen am Dienstag zwei Personen in der apulischen Ortschaft Peschici ums Leben gekommen sind, verloren auch 85 bis 90 Österreicher ihr ganzes Hab und Gut. Die Urlauber - viele von ihnen kommen aus Tirol und Oberösterreich - wurden aus der kleinen Badeortschaft evakuiert.

Die Flammen seien so nahe an die Strände gelangte, dass Touristen teilweise mit Booten von den Stränden flüchten bzw. weggebracht werden mussten, hieß es aus dem Außenministerium. Der Großteil der österreichischen Urlauber wohnte auf Campingplätzen. Der durch das Feuer entstandene Sachschaden sei zum Teil sehr groß. Viele der Tiroler und Oberösterreicher hätten große Verluste erlitten.

Zwei Menschen im Auto verbrannt

Und immer noch wüten Dutzende Feuer in ganz Italien. Neue Brände wurde in der Ortschaft San Giovanni Rotondo gemeldet, wo ein Großteil der 4.000 Touristen untergebracht wurde, die am Dienstag aus Peschici evakuiert werden mussten. In Peschici sind am Dienstag zwei ältere Menschen in ihrem Auto verbrannt. Zunächst hatten die Behörden die Zahl der Todesopfer mit vier angegeben.

Verspätete Rettungsmaßnahmen?

Unterdessen tauchen Schuldzuweisungen wegen angeblich verspäteter Rettungsmaßnahmen in verschiedenen Teilen Italiens auf. Bertolaso beschuldigte Regionen und Gemeinden, ihre Pflichten nicht erfüllt und die Feuerwehrmannschaften zu spät aktiviert zu haben. Das betreffe vor allem die apulische Touristen-Hochburg Gargano, die am stärksten von der Brandwelle geschädigt worden sei. Die Lokalbehörden wiesen die Vorwürfe entschieden zurück.

(Ag./Red.)