Das legendäre Bahnticket für Europa wurde wiederbelebt und neuen Reisegewohnheiten angepasst.
WIEN. Es gibt sie wieder – nicht nur auf den Wiener Bahnhöfen, auch in der Innenstadt oder den Lokalen in den Stadtbahnbögen sind wieder vermehrt Rucksacktouristen zu sehen, die per Bahn durch Europa fahren und dabei das Interrail-Ticket nützen. In den vergangenen Jahren hatten die Billigflieger und veränderte Reisegewohnheiten dieser Reisemöglichkeit stark zugesetzt, statt 16.000 Tickets pro Jahr wie in den Neunzigern wurden in Österreich zuletzt nur noch 4000 verkauft.
Doch nun geht es wieder nach oben, denn mit 1. April 2007 wurde das Ticket reformiert und an die neuen Reisegewohnheiten der Jugend angepasst. „Man will nicht ein Monat unterwegs sein mit einer Hose und zwei T-Shirts“, sagt Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier. Kurzreisen in einzelne Länder seien heute gefragter. Daher wurden die bisher existierenden Zonen abgeschafft. Mit dem „Globalpass“ kann man nun zum Fixpreis durch insgesamt 30 europäische Länder fahren.
Und auch kürzere Reisen sind mit dem neuen Ticket möglich. Bislang lag das Minimum bei 16 Tagen, jetzt gibt es auch Tickets für 5 oder 10 Tage. Daneben wird auch der „Ein-Länder-Pass“ angeboten, mit dem man innerhalb eines Monats quer durch ein europäisches Land fahren und überall ein- und aussteigen kann. „Besonders beliebt sind Kurzreisen nach Deutschland, Italien und Ungarn“, sagt ÖBB-Sprecherin Katja Blum.
Jugend wird bequemer
Verändert hat sich aber nicht nur die Länge der Reisen, auch der Wunsch nach Komfort wird immer lauter – auch schon bei den Jungen. Daher kann das Interrail-Ticket nun auch für die 1. Klasse gebucht werden. Einst der Inbegriff des billigen, schmutzigen und ungebundenen Reisens heißt es bei Interrail nun immer häufiger: Entspannt im Ledersitz zurücklehnen statt auf dem Rucksack im Gang hocken. Schon rund 20 Prozent kaufen Tickets für die erste Klasse.
Es ist also alles nicht mehr so, wie es in den Anfängen des Tarifs im Jahr 1972 war, mag mancher Interrail-Veteran denken. Aber zumindest eines bleibt nach wie vor gleich: Zuschläge für Hochgeschwindigkeitszüge, Schlaf- oder Liegewägen sind im Preis nicht enthalten.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2007)