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USA: "Hypotheken-Krise wird bis 2009 anhalten"

(c) AP (David Zalubowski)
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"Es braucht eine lange Zeit, um ein Schlachtschiff zu wenden" sagt, der Chef von Countrywide Financial, einem der größten US-Hypotheken-Finanzierer.

Hausbesitzer und Kreditgeber in den USA haben derzeit mit einem Überangebot, stagnierenden Hauspreisen und den Auswirkungen der über die Maßen lockeren Vergabe von Hypothekenkrediten zu kämpfen. Die Angst vor einem Übergreifen der Immobilienkrise auf die gesamte US-Wirtschaft belastete am Dienstag an der Wall Street die Titel von Finanzfirmen. Auch der Dollar tendierte schwächer. Er rechnet damit, dass die Immobilienkrise in den USA bis 2009 anhalten wird, sagte Countrywide-Chef Angelo Mozilo am Dienstag: "Es braucht einfach eine lange Zeit, um ein Schlachtschiff zu wenden".  

Countrywide hatte zuvor unerwartet schwache Quartalszahlen vorgelegt. Der Reingewinn im zweiten Quartal sackte um 33 Prozent ab auf 485,1 Mio. Dollar (351 Mio. Euro) oder 81 Cent je Aktie. Auch der Umsatz fiel überraschend stark um 15 Prozent auf 2,55 Mrd. Dollar. Dies schickte die Countrywide-Aktie auf Talfahrt, das Papier verbilligte sich im New Yorker Nachmittagshandel um knapp zehn Prozent.

Hypothekenkrise: Warnsignal für Finanzbranche

Die Rating-Agentur Moody's sieht in der Krise am US-Hypothekenmarkt kein Risiko für die komplette Finanzbranche, wertet die jüngsten Turbulenzen aber als Lehre für den Sektor. "Banken und Regulatoren sollten ihre Wachsamkeit nicht verringern", warnten die Experte in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Zunehmend komplexere Finanzinstrumente und niedrigere Anforderungen bei der Kreditvergabe bildeten einen "gefährlichen Cocktail". Noch sei keineswegs klar, wer in welchem Umfang Verluste zu schultern habe. Folglich werde die Nervosität an den Märkten vorerst wohl anhalten.

Banken haben in den USA im großen Stil zu laxen Konditionen Kredite an Häuserbauer mit geringer Bonität ("subprime") vergeben. Unter anderem wegen steigender Zinsen mehren sich nun die Kreditausfälle. Weil die Finanzierung gebündelt und als Derivate weiterverkauft wurden, sind neben den Banken auch Hedgefonds und andere Investoren betroffen. Zwei Hedgefonds von Bear Stearns haben bereits drastische Verluste hinnehmen müssen.

"Neubewertung ist heilsam"

Die Krise hat binnen kürzester Zeit dazu geführt, dass Investoren deutlich vorsichtiger geworden sind und Mittel meist nur noch zu höherer Verzinsung zur Verfügung stellen. "Diese Neubewertung ist heilsam", urteilten die Moody's-Experten. Risiken würden nun weit realistischer eingeschätzt. Zugleich weist die Rating-Agentur darauf hin, dass die Widerstandskräfte im Finanzsystem gegen große Krisen sehr hoch seien. Nach wie vor laufe die Wirtschaft rund um den Globus gut und es gebe eine Unmenge von Kapital, das nach Anlagemöglichkeiten suche. (Ag./Red.)