Salzburg krönte seine Stadion-Eröffnung mit dem 1:0 gegen Arsenal, der Weg in die Millionen-Liga aber ist sehr weit. Jens Lehmann (D) freut sich bereits auf die Euro 2008.
SALZBURG. Der Jubel, der Salzburgs Stadion-Eröffnung und den 1:0-Sieg der Bullen gegen Arsenal London das Spiel über begleitet hatte, war nach dem Schlusspfiff schnell verflogen. Die Ränge der schmucken und um 20 Millionen Euro geformten Euro-Arena leerten sich schnell. Und während sich die Fans problemlos – es warteten ausreichend öffentliche Verkehrsmittel und die Polizei achtete tunlichst darauf, keinen Stau aufkommen zu lassen – auf den Heimweg begaben, standen die Stars des Sport-Festspiels in den Katakomben Rede und Antwort. Und auch hier wurde der leise Hauch von Champions League deutlich: Reporter drängen nicht, die Arsenal-Stars wirkten entspannt, sie hatten Spaß. Die Niederlage schmerzte nicht, schon gar nicht Deutschlands WM-Star Jens Lehmann.
Wer hoch hinaus will
Seit 2003 hütet der 38 Jahre alte Lehmann das Tor der Gunners. Und seit er mit dem „WM-Spickzettel“ seinen Teil zum Sommermärchen beigetragen hat, ist auch er, obgleich er stets ruhig und unauffällig wirkt, ein Liebling der Massen. Salzburg, also die Mannschaft, habe ihm imponiert, sagt Lehmann und rümpft, auf den Rasen im Euro-Stadion angesprochen, sofort die Nase. „Der war wie ein Trampolin, wenn du drüber gelaufen bist. Das muss sich bis zur Euro ändern, auf so einem schlechten Belag habe ich noch nie gespielt. Schade!“
In den 45 Minuten, in denen er im Einsatz war, bewies er einmal mehr seine Souveränität und seine Übersicht bei Flanken und Kopfbällen. Als Tormann dürfe man keine Angst vor Duellen im Strafraum haben, sie schon gar nicht zeigen. Da gebe es in der Premier League (Auftakt 11. August) kein Pardon. Vor allem in großen Spielen, also gegen Manchester United, Chelsea oder Liverpool, stehe der Keeper im Blickpunkt. „Diese Vereine sind auch heuer wieder die Favorits“, sagt Lehmann fast trotzig, „warten wir mal ab, wir werden ja sehen, wie sehr Arsenal mitspielen kann.“
Da mit Henry und Ljungberg zwei Stützten den Klub verlassen und zuletzt auch Übernahmespekulationen die Gespräche beim Klub bestimmt haben, brodelt in London die Gerüchteküche. „Natürlich ist es hart, dass sie weg sind, aber so ist es leider im Profi-Fußball“, sagt Lehman trocken. Doch ein Lächeln huscht über sein Gesicht, als er auf Formel-1-Chef Bernie Ecclestone – er „spielte“ sich mit dem Gedanken, bei Arsenal einzusteigen – angesprochen wird. „Ecclestone? Ich habe davon gehört. Hoffentlich macht er es! Es geht um Geld, Klubs wie Liverpool, Manchester und Chelsea haben sehr viel Geld, unser Klub verfolgt derzeit eine andere Philosophie. Es würde einiges ändern, und vielleicht kriegen wir dann Freikarten für die Formel 1!“ Ein neuer Investor, so wie es Red Bull nahezu beispielhaft gemacht habe, so Lehmann, würde dem Traditionsverein Arsenal enorm helfen.
Ein alter Fuchs
Mit großer Freude fiebert der gebürtige Essener, der mit Dortmund, AC Mailand und Arsenal Meister wurde, auch der Euro-Qualifikation entgegen. „Mir gefällt Österreich“, sagt der Bad-Waltersdorf-Fan, „und ich bin mir sicher, dass Deutschland sich qualifizieren wird. Und ich hoffe, dass bei euch die Euphorie auch so überspringt, wie bei uns und der WM 2006!“ Ein Heim-Event sei etwas Spezielles, mit keinem anderen Turnier oder großen Spielen vergleichbar. Es präge die Kultur eines Landes, „es ist was ganz Tolles für Österreich.“
Für den Gast war es auch selbstverständlich, den Bullen für die Qualifikation zur Champions League alles Gute zu wünschen. Den Gegner, Ventspils aus Lettland, kannte Lehmann freilich nicht, doch „Trapattoni, der alte Fuchs, hat eure Mannschaft ja schon ganz gut eingestellt, oder?“ Und wer weiß, vielleicht treffe man sich ja in Runde 3 wieder. Im Fußball ist alles möglich.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2007)