Tennis: Nur die unerfüllten Hoffnungen waren perfekt

GEPA
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Aus für Alexander Peya in Kitzbühel als Spiegelbild des heimischen Tennis und eines Traditionsturniers, das sich mit alternativen Hits aufputzen will.

KITZBÜHEL/GASTEIN (-tzg-). Die Austrian Open finden ohne Österreicher statt, zumindest im Einzel. Dabei hätte es Alexander Peya in der Hand gehabt, Kitzbühel-Spezialisten Nicolas Lapentti (Ekuador) daran zu hindern, zum siebenten Mal das Viertelfinale zu erreichen. Konjunktiv. Typischer Fall von Hättiwari. Peya, der mit Michael Juschny die russische Nr. 2 des Turniers, das von der Frau des Moskauer Bürgermeisters finanziert wird, 7:5, 6:0 abserviert hatte, machte bei Big Points dumme Fehler. Folglich endete es 4:6, 4:6 statt umgekehrt – was für den Schüler von Klaus Langenbach (D) durchaus drin war. Aber knapp daneben ist eben doch vorbei.

Spiegel des Turniers wie des heimischen Tennis, von dem Hans Kary sagt: „Kaum oben, wieder unten, der letzte Tick fehlt.“ Nachsatz: „Einen Lapentti, nicht mehr das, was er war, muss man schlagen können!“ Müsste. Wie Köllerer, der gegen Chela (Arg) im dritten Satz unterging. Wie Spätzünder Eschauer, der als Amersfoort-Finalist gekommen war, Matchball hatte, aber an der für ihn neuen Größe des Augenblicks scheiterte, nicht mehr „Rad-Mutter“ zu sein, sondern den Wagen in Schwung bringen s(w)ollte. Jeder hat andere Defizite, die ihm samt Gegnern über den Kopf wachsen. Nobody is perfect. Nur die unerfüllte Hoffnung. Leider.

Zurück bleibt die Frage, wie groß nicht nur Hoffnungen sind, die Österreichs Tennis tragen sollen, sondern auch jene, was aus dem Traditionsturnier wird. Mitte Juli kam der Kalender für die Jahre 2009 bis 2011 heraus – und da ist Kitzbühel nicht mehr dabei. Wendet sich noch das Blatt, sollte Frau Lutschkowa nach dem Vorbild von Putin, Sotchi und Olympia den Rubel noch mehr rollen lassen..?

Magier statt Tenniszauber

Das volle Haus, das Jubelberichte verkaufen sollte, war auch beim Match von Peya, dem letzten Mohikaner, halb leer. Wo sind die Zeiten, als es Kitz-Hits gab wie Vilas, Sampras, Sanchez, Kary, Feigl, Muster, Skoff? Wenn Christina Stürmer noch so trällert – sie hat andere Fans als jene, die Tennis begeistert. Ein Traditionsturnier lebt vom Sport, nicht vom Rahmen, der sich am besten in seinem Rahmen verkauft. Daran ändern Auftritte von Magiern nichts, solange es denen nicht gelingt, attraktive Stars oder heimische Asse aus dem Ärmel zu zaubern. Alles andere? Hokuspokus, der sich an Adabeis richtet statt an Fans, die für ihr Geld Toptennis sehen wollen, garniert mit Österreich-Erfolg.

Da gab es, wie bei der Damen-Premiere in Bad Gastein, wenige Lichtblicke. Wie von Yvonne Meusburger, die gegen Loit, Nr. 23, 6:1, 6:3 und gegen Birnerova 6:4, 6:1 gewann. Düster sah es dagegen für Orange-Bowl-Siegerin Niki Hofmanova aus, die Jugend-Europameisterin werden wollte – und in der 1. Runde ausschied. Wie Kary richtig anmerkte: Kaum oben, schon wieder unten. Eine Achterbahn.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2007)


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