Am anderen, nobleren Ende der Zulassungsstatistik buhlen kleine Edel-Autohäuser um die Barmittel der Klientel.
Robert Engstler hat die Statur eines Mannes, an dessen Handgelenk eine Breitling-Uhr nicht lächerlich aussieht. Umgekehrt würde eine Swatch vielleicht etwas verloren wirken, aber da der Uhrenausrüster von Bentley Breitling ist und nicht Swatch, stellt sich die Frage ohnehin nicht. Engstler ist Chef von Exclusive Cars, einer Tochterfirma des größten heimischen Autoimporteurs Porsche Austria, und als solcher steht er Bentley und Lamborghini vor. Beide Marken haben zusammengenommen gerade ein halbes Dutzend Modellreihen, und diese, gewissermaßen das Gegenteil von wohlfeil, erfreuen sich aktuell reger Nachfrage. Lamborghini zum Beispiel: Mit großen Schritten nähert man sich in diesem Jahr in Österreich der 30-Stück-Schallmauer, und die Chancen stehen gut, dass Konkurrent Ferrari auf die Plätze verwiesen wird. Das würde gut zur Dynamik der Marke passen und vor allem dem Gründer Ferrucio Lamborghini gut gefallen: Der Legende nach hatte er mit dem Sportwagenbauen begonnen, weil ihm die Hochnäsigkeit des alten Enzo Ferrari maßlos auf die Nerven ging.
Vom schicken Schauraum in Wien-Liesing aus betreut Engstler auch ein knappes Dutzend Ostländer, in denen der Lamborghini-Bedarf mittlerweile so dringlich geworden ist, dass man als nächstes eine Niederlassung in Bukarest errichten wird. Diese Stückzahlen erfrischen Engstlers Bilanz, ohne freilich in der heimischen Zulassungsstatistik aufzuscheinen.
Das neueste Modell im Stall heißt Gallardo Superleggera, der schöne Beiname bedeutet, dass der Renner auf Leichtbau getrimmt wurde – auf dass die 530 PS umso gnadenloser ins Gebälk fahren. Preis: etwa 220.000 Euro; so teuer wie eine hübsche Wohnung, aber viel schneller.
Engstlers Kunden – man darf sagen: allesamt Multimillionäre, und zwar in Euro – fahren manchmal im Golf vor, um zu sehen, ob sie auch als Normalmenschen höflich angesprochen und ordentlich bedient werden; quasi die Charakterprüfung vor dem Kaufakt.
Nicht weit von Liesing, in Vösendorf, hat sich das Autohaus Karner & Grossegger niedergelassen, auch dort hat man nur feine Ware im Sortiment: Aston Martin, Maserati, Rolls-Royce. Während Maserati derweil hauptsächlich vom Glauben an die Zukunft lebt, stößt man bei den beiden englischen Marken beständig an die Lieferkapazitäten der Werke. Der vergleichsweise günstige Aston Martin V8 (ab 131.000 Euro) hat sich den Markt in der Porsche-Liga aufgesperrt, und paradoxerweise profitiert man von aktuellen Porsche-Absatzrekorden: „Je mehr 911er verkauft werden, desto eher regt sich in manchen Käufern der Wunsch, etwas exklusiver unterwegs zu sein“, erklärt Thomas Hinteregger, Marketingchef von Karner & Grossegger. Die kommen dann nach Vösendorf, wo es den Verkäufern womöglich noch gelingt, Appetit auf das definitiv sehr Exklusive zu wecken, zum Beispiel die Sünde eines Rolls-Royce Drophead Coupés um knusprige 515.040 Euro. Bestellungen im zweistelligen Bereich habe man vorliegen, so Hinteregger, dabei werden im englischen Werk für die ganze Welt höchstens 400 Dropheads pro Jahr gebaut.
Vom V8-Aston zum erwähnten Mitnahmepreis schlägt das feine Autohaus heuer 120 bis 140 Stück los.
Auch bei Karner & Grossegger mischen sich Begehrlichkeiten aus Ostländern zu denen aus Österreich, jedenfalls ist Wien ein sehr respektabler Standort für den Absatz von Supercars geworden.