Mieten für Geschäfte auf Rekordkurs

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Immobilien. Kaum Angebot und große Nachfrage: Lokale in Toplagen werden immer teurer, der Kohlmarkt liegt bereits gleichauf mit Berlin, Mailand und Zürich.

WIEN. Dass der Wiener Kohlmarkt ein teures Pflaster ist, wissen die Passanten, die vor den Auslagen der Luxus-Shops stehen bleiben, den Schritt ins Geschäft aber doch nicht wagen, schon länger. Doch die Produkte von Dolce & Gabbana, Bulgari, Tiffany & Co haben nicht das Monopol auf den höchsten Preis, auch die Geschäftsmieten haben mittlerweile Rekordniveau erreicht.

390 Euro betragen hier die Spitzenmieten pro Quadratmeter, so eine Erhebung des Maklerbüros CPB. Ein Preis, wie er auch in Berlin, Mailand oder Zürich bezahlt werden muss. Zwar muss eine derart hohe Miete nur bei sehr kleinen Flächen im Erdgeschoß mit vergleichsweise großer Auslagefront bezahlt werden, doch auch die Durchschnittsmieten haben es in sich: 300 bis 330 Euro. Noch vor vier Jahren wurden die gleichen Objekte um rund 220 Euro gehandelt, so CPB-Geschäftsführer Michael Ehlmaier – ein Zuwachs von 30 Prozent.

Plafond noch nicht erreicht

Und der Plafond ist noch lange nicht erreicht. Ehlmaier rechnet damit, dass innerhalb der nächsten drei Jahre für absolute Spitzenlagen bis zu 450 Euro pro Quadratmeter möglich werden: „Das regelt der Markt. Wenn ein Interessent einem Altmieter so viel bietet, wird es für den irgendwann interessant“, meint der Makler.

„Ja, die Preise am Kohlmarkt explodieren“, bestätigt auch Stefan Goigitzer von der Immobiliengesellschaft Colliers Columbus Austria. Der kurze Abschnitt zwischen Graben und Michaelerplatz hat sich in den vergangenen Jahren als Nobelmeile etabliert, auf der vor allem Gäste aus dem Osten für große Umsätze sorgen: „Es sind nicht nur die Russen, sondern etwa auch Ukrainer, Bulgaren oder andere Personen aus dem Umkreis von Oligarchen“, so Goigitzer.

Diese Käuferschicht hat sogar bereits dafür gesorgt, dass in den Nobelgeschäften schon Umsätze wie in Paris gemacht werden – womit auch die hohen Mieten wieder eingespielt werden. Nachdem nun auf dem Kohlmarkt nur noch sporadisch einzelne Flächen frei werden, weichen einige Luxus-Shops schon auf den Graben aus. Und auch in der ums Eck gelegenen Wallnerstraße ziehen die Mieten an, wenn auch auf etwas niedrigerem Niveau.

Große Ketten treiben Preise hoch

Nachfrage nach neuen Flächen – und damit höhere Mieten – besteht allerdings fast nur in Top-Lagen. Durch den Einzug internationaler Ketten, die große Flächen benötigen, werden dort die Mieten zusätzlich in die Höhe getrieben. Jüngstes Beispiel: Peek & Cloppenburg errichtet auf der Kärntner Straße eine neue Filiale. Auf der Mariahilfer Straße wird es vor allem im mittleren Bereich schon sehr eng und teuer, in den Randbereichen sieht Goigitzer dagegen noch genügend Potenzial.

Jenseits der Innenstadt und der Mariahilfer Straße ist von diesem Boom allerdings nicht mehr viel zu bemerken. Lediglich die stark frequentierte Fußgängerzone in der Favoritenstraße verzeichnet einen Aufwärtstrend, der sich auch in steigenden Mieten niederschlägt. Laut Immobilienexperte Goigitzer wird sie nun auch für internationale Mieter interessant.

In schlechteren Lagen wie Taborstraße, Alser Straße oder Meidlinger Hauptstraße sinken die Mieten für Geschäftslokale sogar. Und das bei ohnehin niedrigem Niveau – so müssen etwa Mieter auf der Thaliastraße maximal 20 Euro pro Quadratmeter zahlen. Das wiederum öffnet die Tür für Billiganbieter. Und die heben die Attraktivität einer Einkaufsstraße bekanntlich nicht wirklich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2007)

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