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Stadt Wien: Dienstkopftücher für Muslime

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Hose, Jacke, Kopftuch – der Putzdienst der Stadt Wien tritt neuerdings in einheitlichen Uniformen auf. Für Muslime designte man eine passende Kopfbedeckung.

Wien.Kann Dienstbekleidung „sexy“ sein? Fragt man die Mitarbeiterinnen des Reinigungspersonals, das die Amtsgebäude der Stadt Wien (inklusive Rathaus) sauber hält, lautet die klare Antwort: ja. Und zwar unangenehm sexy. „Die Frauen wollten einfach nicht mehr, dass man ihnen unter den Rock schauen kann – beim Bücken oder beim Putzen auf der Leiter war das bis jetzt leicht möglich“, so Christiane Daxböck, Pressesprecherin des zuständigen Wohnbaustadtrats Michael Ludwig. Nachsatz: „Lang waren die Kittel nämlich nicht.“


Nur 6 Prozent tragen Kopftuch

Für 612 Damen der MA 34 gibt es nun – erst vor wenigen Tagen wurde die Auslieferung abgeschlossen – eine neue Uniform: Blickdichte Hose, hüftlange Jacke, für muslimische Mitarbeiterinnen auf Wunsch ein „Dienstkopftuch“. Das von der Stadt Wien designte Modell konnte per Formular angefordert werden, sechs Prozent der Bediensteten tragen es nun. „Es geht hier einfach um eine Anerkennung der Glaubensfreiheit, ich verstehe daher eigentlich nicht, warum das so ein Thema ist“, so Christiane Daxböck, „wir haben ja niemanden gezwungen“. Von Beschwerden, dass die neue Bekleidung an sonnigen Tagen vor allem für nicht muslimische Bedienstete unnötig warm sei (wie in einer Aussendung von FPÖ-Chef Strache beklagt), habe sie nichts gehört: „Die Damen haben bei 38 Grad eben geschwitzt, wie wir alle hier.“

Die neue Bekleidung sei zudem von muslimischen und nicht-muslimischen Mitarbeiterinnen gleichermaßen gewünscht worden, das habe man in von der Dienststellenleitung bereits im Jänner initiierten Gesprächen festgestellt. Und: „Hosen haben die Frauen sowieso schon immer selbst mitgebracht und darunter getragen, weil der Kittel zu kurz war“, so Daxböck.


„Im Sinne der Religionsfreiheit“

Das neue Modell (aus weißem Stoff mit feinen Streifen in orange und türkis, siehe Bild) sei zudem auch ohne T-Shirt darunter tragbar – also eigentlich kühler als sein Vorgänger. Was die Stadtrat-Sprecherin im Gespräch mit der „Presse“ immer wieder betont: „Wir handeln hier im Sinne der Religionsfreiheit – aber sicher nicht, um die Uniformen an muslimische Vorschriften anzupassen.“

Ein Trend, den indes FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache zu erkennen glaubt. Gemeinsam mit einem Verbot von Nikoläusen und Schnitzeln befürchtet Strache nun die Dienstvorschrift „muslimische Arbeitskleidung für alle“ und fordert ein Kopftuch-Verbot für den öffentlichen Dienst. Ähnlich aufgeregt die Reaktion des BZÖ-Wien: „Diese Schikane ist inakzeptabel. Selbst in der Türkei wäre so etwas undenkbar“, so Obmann Michael Tscharnutter, der sich in seiner Aussendung auch die Frage stellte, ob „SPÖ-Stadträtinnen im Sommer mit Wollwesten und Strumpfhosen ins Büro“ kämen.


Turban beim Bundesheer

Längst Usus ist Toleranz gegenüber Religionsmerkmalen in Österreich inzwischen bei anderen Institutionen mit Uniform-Pflicht. Für strenggläubige Sikhs ist es sowohl bei den Wiener Linien als auch beim österreichischen Bundesheer erlaubt, Turban und ungeschnittenes Kopf- und Barthaar zu tragen. Beim Bundesheer müssen sie am Geburtstag des Gründers ihrer Religion nicht arbeiten, auch Moslems erwartet man während der Feiertage im Fastenmonat Ramadan nicht zum Dienst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2007)