Der Entfall der „Masters Tour“ ist in Österreich sportlich wie wirtschaftlich ein Desaster.
WIEN. Das Grand-Slam-Turnier in Klagenfurt und das „Austrian Masters“ in St.Pölten sind die beiden großen Beach-Hits des Landes. Mit hoher sportlicher Qualität, vielen Zusehern und großem Partyfaktor. Letzteres Turnier aber kostete heuer der „Beach Masters Tour“ die Existenz. Im Streit um den ähnlich klingenden Namen und um (fehlende) Sponsoren platzte die Serie. Wer daran die Schuld trägt – der Verband oder der Veranstalter – beschäftigt weiter die Gerichte.
Ehe der Schuldige ausgemacht ist, stehen die Verlierer fest: der Sport, die Sponsoren und die Spieler. Vor allem für die „zweite Reihe“ der heimischen Beachvolleyballer, die international kaum Startplätze ergattern kann, ist der Entfall der Masters Tour ein großer Verlust. Das gesteht auch Verbandsvizepräsident Stefan Potyka ein: „Den Spielern ist eine Plattform abhandengekommen, sich sportlich an die Spitze heranzutasten.“
Streit auf dem Rücken des Sports
Die Athleten leiden auch wirtschaftlich: Sie fallen um Preisgelder um und können weder sich noch ihre enttäuschten Sponsoren einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Immerhin hatten die Finalspiele der Masters-Turniere mit einem Werbewert von 800.000 Euro in der Vergangenheit regelmäßig 3000 Zuseher angelockt. Und sie hatten – nachdem Sponsoren 2005 wegen Mängel in der Organisation massiven Druck ausgeübt hatten – dem Beachvolleyball Sendezeiten im Fernsehen gesichert. So aber kann heuer nur das Klagenfurter Grand-Slam-Turnier ins Bild gerückt werden.
Der Verband hatte nach dem Scheitern der Serie zwar versucht, Ersatzturniere aus dem Sand zu stampfen, landete damit aber keinen Erfolg. Nur ein Event kam in Kooperation mit dem Wiener Donauinselfest zustande: Doch die Netze waren turnieruntauglich, bei einigen Plätzen fanden sich Scherben im Sand, sodass der Damenbewerb entfallen musste.
Keine Staatsmeisterschaft?
Gänzlich gescheitert hingegen ist der Versuch, das Turnier in Innsbruck im August zu retten: Bei dem als Abschluss der Masters-Serie gedachten Ereignis hätten auch die Staatsmeister ermittelt werden sollen. Der Bewerb fällt nun „aus finanziellen Gründen“ ins Wasser. Damit bleibt offen, ob die Titel heuer überhaupt ausgespielt werden können, oder ob nur ein Sandhäufchen Elend übrig bleibt...
Gut hingegen funktioniert das System der kleinen Turniere, der von den Landesverbänden lizenzierten A-Cups und der Events noch niedrigerer Kategorie. Sie sollen, sagt Potyka, Vorbild für die Masters-Serie 2008 sein. „Wir suchen lokale Veranstalter, mit lokaler Verankerung, wollen die Tour aber zentral vermarkten.“
Dieses System kann funktionieren, sagt auch Turnierorganisator Wolfgang Ziegler. Er sieht den Breitensport zwar boomen („Alle Plätze in Wien sind ausgebucht“), aber große strukturelle Probleme: „Beachvolleyball ist in den Volleyballverband eingegliedert, das ist o.k. Aber den Beach-Spielern fehlen demokratische Mitbestimmungsrechte.“ Dabei hätten sie sich mit Platzierungen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften sportlich längst voll legitimiert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2007)