Generalmanager Thomas Parits über die Klub-Zukunft, Telefonate mit Stronach, das Derby und den dringenden Bedarf nach einem neuen Stadion.
Die Presse: Herr Parits, wie definieren Sie eigentlich Ihren Job bei Austria? Was bedeutet Ihnen der Klub?
Thomas Parits: Die Austria bedeutet mir sehr viel, ich bin für den sportlichen Bereich verantwortlich, es ist kein leichter Job. Als ich angefangen habe, waren wir Letzter. Wir wurden Cupsieger und in der Zwischenzeit haben wir gute Transfers gemacht und haben jetzt eine Mannschaft, die auf dem richtigen Weg ist. Es ist eine große Verantwortung, für Austria zu arbeiten. Sie liegt mir am Herzen.
Welche Spieler kommen noch?
Parits: Das Programm ist abgeschlossen, wir haben alle Spieler an Bord. Und Trainer Zellhofer hat die ganze Vorbereitung mit dem gesamten Kader machen können.
Wer telefoniert jetzt öfter mit Frank Stronach. Sie, Herr Neumann, Trainer Zellhofer? Und, wie stehen Sie zu den Aussagen, dass die U20-Talente Okotie und Madl jetzt mindestens eine Halbzeit spielen sollen?
Parits: Ich habe diese Aussagen von ihm nie gehört, möchte das also auch nicht kommentieren. Das Thema wurde bei uns auch überstrapaziert, oder? Den Stronach ruft schon öfter der Ernst Neumann an, der ist mit ihm ja befreundet. Da ist der Kontakt sehr eng. Ich glaube, wir haben dieses Problem doch sehr gut gelöst. Wir wollen ja junge Spieler einbauen, wir gehen den Weg, aber sie müssen Leistung bringen!
Rücken jetzt noch mehr junge Spieler in das A-Team nach oder nicht?
Parits: Schiemer, Metz, Sulimani, das sind jetzt junge Spieler, die den Sprung geschafft haben, Austria hatte auch fünf Spieler bei der U20-WM, das ist wichtig, das darf man jetzt auch nicht vergessen. Aber jetzt fängt für die jungen Herren alles wieder bei null an, sie müssen sich innerhalb der Austria beweisen und im Endeffekt spielt bei uns der, der gute Leistungen bietet. Und, das ist ganz wichtig: Die Aufstellung macht einzig und allein der Trainer!
Diese Saison ist mit dem Stronach-Budget abgedeckt, wie aber sehen die Pläne für die Zukunft aus?
Parits: Es schaut so aus, dass Stronach und Magna als Sponsor bleiben. Anfangs hieß es sogar, er werde den Sponsorbetrag schon heuer deckeln, das hat er nicht gemacht und Bak und Kuljic zusätzlich bezahlt. Da sieht man, dass ihm Austria am Herzen liegt. Wir werden nicht mehr im Ausland herumfahren und Spieler holen, sondern junge Leute einbauen. Und die im Dezember 2006 bei der Generalversammlung abgesegnete Aktiengesellschaft wird im Lauf des Jahres 2008 kommen.
Was ist mit dem Stadionprojekt in Rothneusiedl los? Noch immer sind nicht alle Gründe gekauft worden. Und: Braucht Austria überhaupt ein größeres Stadion, denn gegen Salzburg kamen zuletzt ohnehin nur 6500 Zuschauer?
Parits: Fakt ist, dass wir ein Stadion brauchen! Wie weit die Vorbereitungen diesbezüglich wirklich sind, wird auf anderer Ebene entschieden. Der Salzburg-Termin war übrigens unglücklich, es war Sonntag und extrem heiß. Wir brauchen aber diese neue Infrastruktur, wenn wir oben mitspielen wollen. Und so dumm es jetzt klingt, wenn wir ein neues Stadion bekommen, dann werden sicher mehr Zuschauer kommen! Das Horr-Stadion ist nicht mehr am letzten Stand, Salzburg hat da das beste Beispiel geliefert! Auf einmal war ein Boom da. Es wäre wichtig für den Klub und seine Anhänger.
Sonntag erlebt Wien ein Derby, wie kann man es beschreiben? Sie erlebten es ja sowohl am Rasen als auch auf der Bank und der Tribüne?
Parits: Das ist das Spiel des Jahres! Da muss der ganze Klub dahinterstehen, sich die ganze Woche darauf vorbereiten. Für beide Klubs ist es enorm wichtig, für mich ist es das Spiel der Spiele. Und es gibt keinen Unterschied zwischen Rasen, Bank und Tribüne. So dumm es jetzt klingt: Man gibt überall 120Prozent, das ist halt so... Es ist eine Prestigeangelegenheit.
Was sagen Sie zur Causa Polster? Ihr Vorgänger darf jetzt per Gerichtsbeschluss wieder ins Horr-Stadion.
Parits: Ich möchte mich zu dieser Sache nicht äußern, das liegt nicht in meinem Bereich.
GENERAL MANAGER
Thomas Parits, 60, arbeitet seit Oktober 2006 als General Manager bei der Wiener Austria.
Sein Vorgänger, Toni Polster gewann einen Zivilprozess gegen den Verein. Er war im Frühjahr 2005 mit Stadionverbot belegt worden. Am 10. August darf Polster wieder ins Horr-Stadion. Austria empfängt Innsbruck. [APA]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2007)