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Faymann und Ostermayer, das ist eine Art Ehe seit 20 Jahren

(c) APA
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Mietervereinigung, Stadtratsbüro, Verkehrsministerium: Der Kabinettchef ließ – aus Freundschaft – einen Spitzenjob sausen.

WIEN. Das muss Freundschaft sein. Ist es auch. Dass Josef Ostermayer bei Werner Faymann im Jänner als Kabinettchef angeheuert hat, ist schließlich keine Selbstverständlichkeit und kann wohl nur mit einer 20-jährigen beruflichen Verbundenheit erklärt werden. Sie begann in der Mietervereinigung – Faymann als Geschäftsführer, Ostermayer als Rechtsberater – und fand seine Fortsetzung in der Wiener Stadtregierung – Faymann als Wohnbaustadtrat, Ostermayer bis 2004 als Büroleiter.

„Ich bin ihm auch sehr dankbar. Denn weder vom Materiellen noch von den Lebensumständen her, konnte ich ihm als Kabinettchef viel bieten“, gesteht Faymann. „Viele haben mich gefragt, ob das wirklich eine rationale Entscheidung ist“, gesteht Ostermayer. Schließlich hatte der 46-Jährige als Geschäftsführer von „Wiener Wohnen“ 220.000 Gemeindewohnungen, tausende Lokale und Garagenplätze zu verwalten und zu vergeben. Ein dankbarer Job und noch dazu die teilweise Erfüllung eines Jugendtraums. Ostermayer haderte nach der Matura und nach dem Zivildienst in einem Mädchenheim der Bewährungshilfe nämlich mit sich, ob er Jus, Germanistik oder Architektur studieren sollte. Ersteres wurde sein Beruf, Letzteres blieb ihm Berufung. Bei „Wiener Wohnen“ hätte beides eine Symbiose ergeben.


Ärger über Kery

Betrachtet man Ostermayers Familiengeschichte, ist es ihm aber sozusagen in die Wiege gelegt, zumindest bei einem roten Minister Kabinettchef zu werden. Er wuchs im burgenländischen Schattendorf in einer sozialdemokratischen Familie auf. Und sein Großonkel war das 1927 von Frontkämpfern erschossene achtjährige Kind. Der Freispruch für die Täter hatte zur Revolte und zum Justizpalastbrand geführt.

Mehr als das haben Josef Ostermayer aber die Siebzigerjahre geprägt. Da gab es natürlich Bruno Kreisky, da gab es aber auch Theodor Kery. „Im Burgenland war er eine Art Landesdiktator“, erzählt Ostermayer, „ein extremer Reibebaum, fast abschreckend.“ Und während Faymann längst bei der SJ war, zog es Ostermayer vor, sich nicht parteipolitisch zu engagieren – bis er den Werner traf.

Den schwierigsten Start hatten die beiden übrigens im Ministerbüro. Es war leergefegt – keine Mitarbeiter, keine Ordner, keine Computer. „Ein absurdes System“, findet Faymann. Ein Kabinett beschäftige immerhin 12, 13 Leute. Und als er mit Ostermayer einzog, war das Team von Vorgänger Hubert Gorbach spurlos verschwunden. „Wir konnten die Leute nicht einmal fragen, ob sie bleiben wollen. Man hat uns gesagt, die Verträge enden automatisch mit dem Abgang des Ministers. Das ist doch eine Vergeudung von Ressourcen“, klagt der Minister.

Ostermayer hatte dennoch rasch ein Team parat und steht nun in der Kommandozentrale, während der Minister unterwegs ist. Wenn's heikel wird, ruft man einander an. Sind beide im Büro, stehen die Türen immer offen. Die besten Besprechungen, so sind die beiden überzeugt, seit sie viel in den Bundesländern auf Achse sind, die finden im Zug statt.

Was lässt sich angesichts dieser Lebensgeschichte anderes als dickes Lob des Ministers für seinen Kabinettchef erwarten? „Er hat sich überall hohes Ansehen erworben, außerdem kann man sich voll auf ihn verlassen. Vieles macht er ohnehin alleine“, so Faymann. Soviel Positives über die eigene Person ist Ostermayer peinlich: „Jetzt übertreibst aber.“ In jedem Fall wird viel gelacht in den Büros der beiden, gestehen sie. Eine Portion Humor ist wohl auch notwendig, denn, so Ostermayer: „Unsere Frauen sagen, das ist ja fast schon eine eheähnliche Situation.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2007)