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Gratulation: Eine Engelsstimme, fürwahr

Gundula Janowitz, edelste Sopranstimme für Strauss, Mozart und Wagner.
(c) APA (Guenter R. Artinger)
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Gundula Janowitz, Karl Böhms und Herbert von Karajans Lieblingssopran, feiert Geburtstag.

Wenn dieser Sopran über dem philharmonischen Orchester schwebte, dann war das akustische Glück vollkommen. Auf einer Aufnahme wie jener der Strauss'schen „Letzten Lieder“ ist das wunderbar nachzuhören: Das breite Repertoire von Gundula Janowitz ist hervorragend dokumentiert, denn sie hat von Anfang an Intendanten, Dirigenten und Schallplattenproduzenten fasziniert. Herbert von Karajan war der Entdecker der silberglänzenden, makellos schönen Jahrhundertstimme, deren Ausbildung schwer errungen war. Die 1937 in Berlin geborene Sängerin musste sich ihr Studium in Graz mit Sekretariatsarbeiten an der Schreibmaschine ertippen.

Doch, einmal Mitglied des Staatsopernensembles, machte sie blitzartig Karriere, wenn auch beinah in der richtigen, aufbauenden Weise: Als grandiose, unnachahmliche Contessa, in deren Stimme bei aller strahlenden Prachtentfaltung stets auch Melancholie mitschwang, ist sie uns in lebhafter Erinnerung. Doch war sie im „Figaro“ regelrecht zuerst die Barbarina (zum Debüt 1960), dann Cherubin. Auch in der „Ariadne“ sang die Janowitz zuerst das Echo – wie kundig hat man damals noch besetzt: kein Soubrettchen, sondern die entwicklungsfähigste Stimme unter den Jungen als Widerpart zur Primadonna! –, dann erst die Titelheldin. Die sollte eine Paraderolle werden wie Arabella, Marschallin, „Capriccio“-Gräfin. Die Kunst der instrumentalen Linienführung machte die Janowitz zum idealen Strauss-Sopran.

Ebenso war sie aber stets erste Wahl kritischer Meister wie Karl Böhm für Mozart (Pamina, Fiordiligi, Donna Anna) oder Weber. Sie sang Wagner (Eva, Elisabeth), bei Karajans Osterfestspielen früh, in Wien gegen Ende der Karriere auch die Sieglinde.

In Karajans Ensemble war die Janowitz zwischen 1960 und Mitte der Siebzigerjahre der deklarierte Lieblingssopran, der auch Wagnisse einzugehen hatte – wie den einzigen Auftritt als Kaiserin in der „Frau ohne Schatten“ – schon 1964! Doch wusste die Sängerin stets, wann es Zeit war, sich zurückzuziehen. Das merkten auch die Grazer Musikfreunde, die sie als Operndirektorin, kaum gewonnen, schon wieder verloren hatten, denn wo man der Janowitz mit falschen Argumenten begegnet, bleibt man zuletzt mit diesen Argumenten allein.

Sie war und ist immer auch eine Meisterin im Sich-Zurückziehen. Dankbare Musikfreunde wissen sie heute dennoch mit Glückwünschen wie diesem zu erreichen...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2007)