Genetiker Markus Hengstschläger sprach über ererbte Talente.
Der vierjährige Mozart wurde dabei beobachtet, wie er Noten schrieb. Auf den Einwand des Vaters, das sei viel zu kompliziert, setzte sich das Kind ans Klavier und spielte: tadellos. Die Anekdote erzählte der Wiener Genetiker Markus Hengstschläger am Donnerstag im Salzburger „Schüttkasten“ bei seinem Vortrag „Mozart: Ein Kunstwerk der Gene?“ als Beispiel für Talent und Begabung.
Er sei Genetiker und verstehe sonst gar nichts, eröffnete Hengstschläger bescheiden. Sein Beitrag zu den vom Salzburger Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler Michael Fischer moderierten „Festspiel-Dialogen 2007“ führte dennoch zu einer anregenden Diskussion über Kunst, Doping, Eugenik und andere Nachtseiten der Vernunft.
Mozart würde er gerne Blut abnehmen, um dem Genie auf die Spur zu kommen, bekannte Hengstschläger. Talent und Begabung seien genetisch bedingt. „Aber der Mensch ist auf seine Gene nicht reduzierbar. Mozart ohne Klavier hätte es nicht gegeben.“ Auch die Umwelt mache aus, was der Mensch sei. Umgekehrt sei auch nicht alles anerziehbar. „Salieri war wahrscheinlich viel fleißiger als Mozart, aber die ,Zauberflöte‘ ist nicht von ihm.“ Und zur Tugend des Fleißes: „Niemand hat wahrscheinlich so schlechte genetische Voraussetzungen für einen Popsänger wie Herbert Grönemeyer“, und doch sei er erfolgreich. Vererbtes Talent könne man an eineiigen Zwillingen messen. Es habe sich herausgestellt, dass z.B. besondere Musikalität bei beiden vererbt werde: „Die Studien zeigen, dass es immer so ist, aber eben nicht zu hundert Prozent.“ Der Intelligenzquotient etwa sei zu 75Prozent genetisch, die Homosexualität zu 12Prozent, der Alkoholismus zu 20Prozent.
Gene für Kreativität und langen Atem
Heute gelte es, seine Talente zu kennen. „Können wir uns auf die Suche nach diesen Genen machen? Ja, wir kennen gar nicht wenige.“ Eine Studie über Wunderkinder habe ergeben, dass das Gen IGF2R mit Kreativität zu tun habe. Und das Gen ACTN3, das die Lungenmuskulatur beeinflusst, ist bei guten Langstreckenläufern besonders ausgeprägt.Hengstschläger machte auch auf die Gefahren dieses Wissens aufmerksam. Bei Schwangerschaftstests könnte es bewirken, dass man ein Kind nicht mehr wolle. „Die Leistungsvoraussetzungen kann man messen. Aber wollen wir das auch?“
Und Mozart? Kommen wir ihm genetisch auf die Spur? „Im Vorjahr wurde sein Schädel untersucht, mit Locken verglichen und mit Gebeinen aus dem Mozart-Grab in Salzburg, wo angeblich Verwandte liegen sollten. Nichts war miteinander verwandt.“
Die nächsten Vorträge, jeweils 11.30Uhr im Schüttkasten (Herbert-von-Karajan-Platz 1): Am 8.August spricht Thomas Macho (Berlin) über „Jedermanns Tod“, am 14.August der Heidelberger Ägyptologe Jan Assmann über „Die Schrecken des Erhabenen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2007)