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Luftfahrt: Serbiens Fluglinie JAT vor dem Verkauf

(c) Jat
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Aeroflot und Air India sind die aussichtsreichsten Übernahme-Kandidaten.

BELGRAD. Ferne Herren der Lüfte geben sich derzeit in den serbischen Regierungsstuben die Klinke in die Hand. Im Juni kam eine Delegation der Air India nach Belgrad. In dieser Woche machte Valeri Okulov, der Direktor der russischen Aeroflot, Premier Vojislav Kostunica seine Aufwartung. Der Grund: Möglichst bald will Serbiens Regierung die nationale Luftfahrtgesellschaft JAT Airways verkaufen. Erstmals seit 16 Jahren erwirtschaftete Serbiens verschuldetes Luftflaggschiff 2006 wieder einen Gewinn (3,8 Mio. Euro).

Dennoch verspürt Belgrad bei der Privatisierung Eile. Schon jetzt ist die Airline mit einer Schuldenlast von 209 Mio. Euro, einem aufgeblähten Personalstamm und einer hoffnungslos veralteten Flotte von 17 im Schnitt 20 Jahre alten Maschinen für die großen Airlines des Kontinents kaum interessant.


Starker Konkurrenzdruck

Bei der Annäherung an die EU wird sich Serbien zur Unterzeichnung des Abkommens über einen liberalisierten Luftraum genötigt sehen. Selbst auf ihrem durch den Zerfall Jugoslawiens geschrumpften Heimatmarkt dürfte die JAT größere Konkurrenz bekommen.

Interesse an einer Übernahme oder strategischen Partnerschaft haben Iceland Air und die italienische Air One bekundet, als aussichtsreichste Kandidaten gelten Air India und Aeroflot. Die Russen suchen Zugang zum europäischen Markt und wollen Belgrad zur Drehscheibe in Südosteuropa aufmöbeln. Wie die JAT privatisiert werden soll, ist unsicher. Eine Privatisierung über eine klassische Ausschreibung könnte möglicherweise erst im Sommer 2008 abgeschlossen werden, warnt die Zeitung „Danas“: „Eine langsame Prozedur könnte sich auf das ohnehin geringe Interesse potenzieller Käufer negativ auswirken.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2007)