Hitzeschutz fürs Eigenheim

(c) AP (Michael Probst)
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Wie Häuslbauer auf die steigenden Temperaturen reagieren können.

Es ist Sommer in Österreich: Temperaturen weit jenseits der 30 Grad und nur zwischenzeitlich eine kurze Abkühlung. Daran werden wir uns gewöhnen müssen, meinen Klimaexperten und rechnen vor, dass sich die Zahl der sommerlichen Hitzetage jenseits der 30 Grad Celsius bis 2040 verfünffachen wird.

Solche Prognosen haben auch für den Häuslbauer in spe Konsequenzen. Sofern er sich nicht künftig nächtens schweißnaß in den Laken wälzen will, tut er gut daran, sich schon bei der Planung Gedanken über die Sommertauglichkeit seiner künftigen Wohnstätte zu machen. Eine offizielle, wenn auch bisher wenig wahrgenommene Definition dafür gibt es bereits: Laut ÖNorm B8110-3 gelten Räume dann als sommertauglich, wenn sie am Tag eine gefühlte Temperatur von 27 C und nachts jene von 25 C nicht überschreiten.

Die Rolle der Baustoffe

Die Wahl der Baustoffe spielt hierbei eine wichtige Rolle. Robert Stefanelli, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Baumassiv“, bricht eine Lanze für Ziegel, Beton oder Stein: „Weil massive Baustoffe am Tag die Hitze langsam aufnehmen und in der kühleren Nacht die gespeicherte Wärme ebenso langsam abgeben, heizen sich die Räume nicht so schnell auf wie bei leichteren Materialien.“ Diesem Befund schließt sich Heinz Ferk, Leiter des Labors für Bauphysik der TU Graz, zwar an, als uneingeschränktes Plädoyer für die Massivbauweise will er ihn hingegen nicht verstanden wissen. Ferk: „Nicht die Bauweise an sich ist entscheidend, sondern die Speicherwirksamkeit der einzelnen Elemente.“ Über große speicherintensive Flächen wie keramische Fußböden, Vollziegel-Zwischenwände, Estriche oder Dämmstoffe wie Holzfaserplatten ließe sich auch bei Häusern in Leichtbauweise ein angenehmes Raumklima erreichen.

Die Bauweise allein garantiert aber noch lange kein wohltemperiertes Heim. Ferk verweist auf den aktuellen architektonischen Trend zu großen Verglasungen. „Dabei wird oft die Tatsache vergessen, dass sich ein Haus in erster Linie durch die Sonneneinstrahlung über die Fenster aufheizt.“ Wenn man aus thermischen Gründen darauf nicht verzichten möchte – Stichwort Energiegewinnung im Winter – sollte man auf jeden Fall Vorkehrungen in Form von Beschattungen treffen. „Das können feste Elemente wie ein Dachvorsprung oder Laubbäume, aber auch variable Hitzeschilde wie Markisen oder Rolläden sein. Dabei sollte allerdings beachtet werden, dass die Abschirmung deutlich effizienter ist, wenn der Sonnenschutz auf der Außenseite der Fenster angebracht ist“, so Ferk. Sträflich vernachlässigt würde häufig die Durchlüftung. Ferks Rat: „Räume und Fenster sollten so angeordnet sein, dass sich die aufgeheizte Tagesluft in der Nacht quer über das ganze Gebäude abführen lässt.“

Ausrichtung des Gebäudes

Grundlegender reduzieren lässt sich die Wärmebelastung im Sommer durch die richtige Ausrichtung des Gebäudes. Bedingt durch den sommerlichen Neigungswinkel der Sonne, erreichen ost- und westseitige Fassaden wesentlich höhere Einstrahlungswerte als die Südfassade. Passivhausspezialisten wie Richard Reichmann, Geschäftsführer des steirischen Planungsbüros Rich-Art, empfehlen aus diesem Grund, das Gebäude nach Süden auszurichten, gleichzeitig größere Verglasungen auf der Südseite anzuordnen, auf der West- und Ostseite hingegen möglichst zu vermeiden.

Die richtige Ausrichtung des Gebäudes verbunden mit einer guten Wärmedämmung und einer effizienten Verschattung sind die wesentlichen Gründe, warum sich auch in (gut geplanten) Passivhäusern im Sommer ein wohl temperiertes Leben führen lässt. „Um eventuell doch auftretende Temperaturspitzen abzufangen, wird hier meist zusätzlich ein Erdwärmetauscher eingesetzt, der die Kühlenergie des Erdreichs ins Gebäude überführt“, erklärt Reichmann, der sich selbst ein Passivhaus realisiert hat und nach eigenen Angaben auch an extremen Hitzetagen nie mehr als 23 bis 25 Grad im Haus hat.

TAUGLICH oder nicht?

Gemäß ÖNorm B8110-3 ist ein Gebäude dann sommertauglich, wenn die gefühlten Raumtemperaturen am Tage 27Celsius und in der Nacht 25nicht überschreiten. Da es sich hierbei nur um Grobschätzungen handelt, fordert die Arge „Baumassiv“ eine Einführung von Güteklassen die auf genaueren Berechnungsmethoden basieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2007)


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