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Bawag-Eigentümer Cerberus spürt US-Immobilienkrise

(c) AP (Lopez-Mills)
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Finanzierung. Hedge Fonds bekommen immer schwerer Kredite für milliardenschwere Firmenübernahmen.

Wien (dom/ag). ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer hatte beim Bawag-Debakel Glück im Unglück: Würde die Bank erst jetzt verkauft, läge der Preis vermutlich deutlich unter jenen 3,2 Mrd. Euro, die dem Gewerkschaftsbund knapp aber doch das wirtschaftliche Überleben sicherten. Beim Bawag-Poker waren abgesehen von der Bayerischen Landesbank vor allem Hedge Fonds im Rennen: Neben dem US-Fonds Cerberus, der schließlich den Zuschlag bekam, pokerten mit Lone Star und Apollo weitere Fonds mit und trieben den Preis für die Gewerkschaftsbank nach oben.

Die Fonds schwammen noch vor wenigen Wochen im Geld, Kredite für große Deals aufzutreiben, war kein Problem. Der Bawag-Deal wurde von Cerberus, so wie das in der Branche üblich ist, ebenfalls teilweise über Kredit finanziert. Der Druck auf das Bawag-Management, rasch bessere Erträge zu erwirtschaften, ist dadurch noch größer, weil das für den Kauf der Bank von Cerberus aufgenommene Fremdkapital verzinst werden muss. Für das von Cerberus eingesetzte Eigenkapital verzichtet der Fonds, der die Bank nach etwa fünf Jahren an die Börse bringen und dabei seine Schäfchen ins Trockene bringen will, vorerst auf die Dividende.

Seit dem im Mai abgeschlossenen Bawag-Verkauf hat sich die Lage stark verändert. Wegen der vom US-Hypothekenmarkt ausgehenden Krise an den internationalen Kreditmärkten wird es für Beteiligungsgesellschaften zunehmend schwierig, die für milliardenschwere Firmenübernahmen nötigen Kredite aufzunehmen. Das bekam auch Cerberus-Spitzenmanager John Snow zu spüren: Bei der Übernahme des US-Autokonzerns Chrysler gab es Probleme mit der Finanzierung. Ein zwölf Mrd. Dollar schweres Kreditpaket kam zunächst nicht zustande, weil sich dafür keine Investoren fanden. Der Stuttgarter Autokonzern Daimler musste rettend einspringen.


Große Übernahmen wackeln

Der neue Bawag-Eigentümer ist also nicht mehr ganz so finanzstark, wie er es beim Abschluss des Kaufvertrags war. Doch auch für die anderen großen US-Hedge-Fonds wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel. So hat etwa KKR (Kohlberg Kravis Roberts) derzeit Probleme, die für die Übernahme der britischen Pharmakette Alliance Boots nötigen Milliarden aufzutreiben. Wackeln soll laut Medienberichten auch die geplante Übernahme des US-Energieversorgers TXU durch die Beteiligungsgesellschaften KKR und Texas Pacific mit einem Volumen von 45 Mrd. Dollar.

Selbst große Namen der Bankbranche bleiben von den Schockwellen der Immobilien- und Kreditkrise nicht verschont (siehe Lexikon): Zwei Hedge Fonds der US-Investmentbank Bear Stearns brachen bereits zusammen. Gestern, Montag, musste deshalb Bank-Chef Warren Spector zurücktreten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2007)