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Information ist ein ganz besonderer Saft

Sollen wissenschaftliche Arbeiten für alle frei zugänglich sein?

Ganz konkret mit dem Umgang mit Information befasste sich eine spannende Sektion des Wittgenstein-Symposiums am Montag. Michael Nentwich, Jurist und Ökonom in Wien, trat für das „Open Access Movement“ ein, das wissenschaftliche Ergebnisse für alle frei verfügbar machen will, u.a. mit dem Argument, dass es nicht angehe, dass sich der Staat (in Gestalt seiner Bibliotheken) die Ergebnisse der Forschung, die er selbst gefördert hat, von den wissenschaftlichen Verlagen via Zeitschriften (zurück-)kaufen muss.

Allerdings muss bei „Open Access“ der Autor die Publikationskosten tragen, und das kostet derzeit mindestens 500 Euro pro Artikel. Das sollte billiger werden, meint Nentwich. Er vermutet, dass es in Zukunft neben der Gratisversion eine käufliche Luxusversion von Artikeln geben wird, z.B. mit Videos und Kommentaren. Jedenfalls sei kohärentes Handeln der Forscher nötig, um Open Access durchzusetzen. Hilfreich sei dabei, dass öffentlich zugängliche Artikel häufiger zitiert werden, und die Zitationsrate bestimmt den Wert einer Zeitschrift (oder eben digitalen Quelle) in der Forscherwelt.


Kopierschutz: Künstliche Verknappung

Rishab Aiyer Ghosh (Maastricht) plädierte ebenfalls für „Cooking-Pot-Ökonomie“ in Sachen Information. Wie hinderlich Patente dem Fortschritt sein können, zeige etwa die Geschichte der Dampfmaschine. So lange James Watts Patent gültig war, stieg die Effizienz der Maschinen kaum. Dass Firmen wie IBM, Sun etc. heute zunehmend ihre Software frei verfügbar machen, bringe ihnen – und allen anderen – Vorteile.

Das liegt auch daran, dass Information keine Ware wie jede andere ist: Wer sie verkauft, behält sie trotzdem. Man kann sie leicht vervielfachen. Zwar kann man Information auf Trägern wie CDs „einfrieren“, zu einem materiellen Objekt machen („reifizieren“), aber sie ist dennoch weiterhin leicht zu kopieren, erklärte Peter Fleissner, Wiener Technologe und Ökonom: „Auf dieser Basis kann kein Markt etabliert werden.“ Man könne Information nur durch „künstliche Verknappung“ zur Ware machen, durch Gesetze, die das Kopieren verbieten. Im frühen 19.Jahrhundert sei Arbeit zur Ware geworden, heute werde Kultur zur Ware, sagte Fleissner in einem großzügigen Vergleich. tk

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2007)