Vielleicht doch ohne Halstuch?

Zwei Botschaften haben mir die charmanten Damen vom Pressebüro der Salzburger Festspiele zukommen lassen.

Die gute zuerst: Ich bekomme nun doch noch eine Eintrittskarte für die geheimnisvolle und begehrenswerte Jungregisseur-Produktion „Wiedersehen macht Freude“ aus Frankfurt am Main. Und die strenge: Ich muss dann aber wirklich ins Theater kommen! Absagen geht nicht, heißt es höflich, aber sehr bestimmt.

Potztausend! Gibt es jetzt einen Ukas der Frau Festspielpräsidentin, dass Unzuverlässigkeit mit Verbannung aus Stadt und Land bestraft wird? Müssen jetzt ausgerechnet die Schwächsten der Salzburger Gesellschaft, die Journalisten, für die Eskapaden der Mega-Stars büßen? Nein, die Erklärung ist harmlos und raffiniert. „Sie müssen kommen, sonst funktioniert das Stück nicht.“

Warum? „Jeder Schauspieler hat genau einen Zuschauer. Zwölf Schauspieler, zwölf Zuschauer.“ Ehrlich gesagt, noch nie habe ich mich so bedeutend gefühlt wie nach dieser Ermahnung. Endlich weiß man in Salzburg meine wahren Fähigkeiten zu schätzen! Ob ich vielleicht ein bisschen mitspielen darf? Darin bin ich erfahren. Einmal habe ich in einem gar nicht so schlechten Wiener Theater als einziger Zuschauer vor vier Schauspielern den Kritiker gegeben (milder Verriss).

Zugleich aber erfasst mich nun Panik. Was soll ich denn anziehen am kommenden Montag? Soll ich Blumen mitbringen? Oder genügt eine Flasche Rotwein? Zum überlaufenen Heiner Müller am heutigen Samstag gehe ich natürlich unrasiert, mit Kunstleder-Sakko und entschlossener Zyniker-Miene. Aber zum Tête-à-Tête ins „republic“? Was Feminines, oder vielleicht doch ohne malvenfarbenes Halstuch? Darf ich den schwarzen Block bei meinem großen Auftritt mit dabei haben? Ich kann jetzt ein wenig nachfühlen, warum Anna und Rolando so sensibel sind. Ich fühle bereits den heißen Atem der Laryngitis.


norbert.mayer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2007)

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