Auch die Kurse solider Großbanken sind abgestürzt. Fondsmanager frohlocken.
NEW YORK (Bloomberg/go). „Was ist billig und lohnt sich, gekauft zu werden?“ Das fragen sich hauptberufliche Fondsmanager und private Anleger oft genug. Mike Lenhoff, der ein Portefeuille von 36 Mrd. Dollar (26 Mrd. Euro) bei der Londoner Investmentfirma Brewin Dolphin verwaltet, hat eine kurze Antwort: „Banken“.
Auf den Laien wirken Bank-Aktien derzeit beim schnellen Hinschauen nicht besonders attraktiv. Schließlich haben sich mehrere als seriös geltende Großbanken bei der Einschätzung des US-Marktes für „Ramsch-Immobilienkredite“ gehörig verschätzt. Und dabei eine Menge Geld verloren.
Dieser kollektive Fehlgriff einer gesamten Branche wurde an den Börsen auch kollektiv bestraft. Das kann man sehr gut am Aktienindex „Morgan Stanley Capital International World Financials“ ablesen. In dieser Liste sind die wichtigsten Banken der Welt versammelt: Von der amerikanischen Citigroup bis zur niederländischen ING. Im Jänner 1995 hat die Finanznachrichtenagentur Bloomberg diesen Index erstmals erstellt. Nun zeigt sich: Derzeit sind Bankaktien billiger zu kaufen als zu irgendeinem Zeitpunkt in den vergangenen zwölfeinhalb Jahren.
Die günstigste aller Branchen
Wie günstig eine Aktie ist, kann man vor allem am „Kurs-Gewinn-Verhältnis“ (KGV) erkennen. Dabei werden der aktuelle Aktienkurs des Unternehmens durch seinen Gewinn dividiert. Je niedriger die Zahl ist, die man dabei erhält, desto günstiger wird die Aktie gemeinhin bewertet. Zu Beginn dieses Jahres lag das kollektive KGV des erwähnten Morgan-Stanley-Index bei 13. In der Zwischenzeit ist es auf 11 gesunken. Damit ist das Bankwesen die günstigste jener zehn Branchen, die in einem weiteren Index regelmäßig verglichen werden, dem „MSCI World“.
„Banken wursteln sich durch“
„Die Banken werden sich durch das, was derzeit passiert, durchwursteln“, sagt David Katz, der für die New Yorker Investmentfirma Matrix Asset Advisors 1,6 Mrd. Dollar verwaltet. Er hat Aktien der US-Bank Merrill Lynch gekauft. „Man kriegt sie derzeit billig und mit guten Fundamentaldaten.“
Ziemlich optimistisch ist auch die Investmentbank Dresdner Kleinwort. Sie teilte ihren Kunden in einer Aussendung mit, dass europäische Bankaktien bis Jahresende im Durchschnitt um 17 Prozent steigen könnten. Das war am 7. August. Mitten in der US-Krise. Seite 16
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2007)