Weit ins Land einischaun

Herzog-Hrabal
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Blickfang. Gute Aussichten: Häuser, die die Landschaft ins Wohnzimmer holen. Drei Beispiele mit Panoramablick.

Idyllisch gelegen an einer sanften Anhöhe, das Tal zu Füßen, ringsum grüne Wiesen oder Weinberge. Vom Frühstückstisch schweift der Blick hinab ins Tal, zu Mittag erfreut er sich an der unberührten Natur, und vorm Einschlafen leuchtet der Sternenhimmel durchs große Schlafzimmerfenster. Viele träumen diesen Traum vom perfekten Eigenheim, wenige können ihn sich leisten, und jene, die ein entsprechendes Grundstück ergattern, verschenken sein Potenzial manchmal durch eine allzu zugeknöpfte Architektur.

Die Landschaft im Wohnzimmer

Durchaus nicht zugeknöpft gibt sich jenes Einfamilienhaus bei Krems, das vom Architektenpaar Kornelia Herzog und Thomas Hrabal realisiert wurde. Das Grundstück befindet sich am Rande der Weinberge oberhalb von Krems und verfügt über einen außerordentlichen Ausblick auf das Donautal mit der Stadt Krems und dem Stift Göttweig. Weil die unmittelbare Umgebung kaum bebaut ist, konnte sich das Architektenteam bei seinem Entwurf nahezu uneingeschränkt vom Ausblick inspirieren lassen und das Panorama in vollem Umfang in die Konzeption des Hauses integrieren. Gelungen ist dies durch die Gliederung in einen Wohn- und einen Schlaftrakt, wobei die Diele zum einen die beiden Bereiche abtrennt, zum anderen aber auch die Blickachse definiert, durch die das Panorama unmittelbar beim Betreten des Hauses zur Geltung kommt. Während der hintere, introvertiert gehaltene Schlaftrakt dabei in den Hintergrund tritt, scheint sich das Wohnzimmer mit seiner großen Fensterfront nahtlos mit dem Talpanorama zu vermählen - ein Eindruck, der von der auskragenden Terrasse noch verstärkt wird und bei Besuchern einen Überraschungseffekt auszulösen vermag.

Blickbeziehungen

Die Herstellung gezielter Blickbeziehungen zur Landschaft stand auch im Mittelpunkt der Realisierung von "Haus Nagl" in Wieselburg. Architekt Georg Bauer vom Büro neu|bau architektur stand hier jedoch zusätzlich vor der Aufgabe, das in einem Siedlungsgebiet gelegene zweistöckige Haus vor den Blicken der Nachbarn zu schützen und die Nachbarschaft mit den Mitteln der Architektur auszublenden. Die Lage des Grundstücks - leicht nach Süden geneigt und etwas höher angesiedelt als die Nachbarhäuser - kam ihm dabei entgegen. So ließ sich eine transparente, in Holz und Glas gefasste Südfassade gestalten, die eine nahezu unbegrenzte Sicht auf die niederösterreichische Voralpenlandschaft freigibt. Zur Geltung kommt diese über den Wohnraum mit offener Küche und Essbereich, den Bauer über die ganze südliche Gebäudelänge gezogen hat. Die Glasflächen sind leicht zurückversetzt, dadurch konnte auf sichtbehindernden Sonnenschutz verzichtet werden. Introvertierter geben sich Nord- und Westseite - sie sind von einer Metallhaut umgeben. Hier befinden sich die Schlafzimmer, Bäder und Nebenräume, die Licht und Luft vom kühlen Innenhof beziehen. Der kleine Hof bietet auch einen Rückzugsraum und kann als Gegenspieler zur offenen Atmosphäre der Südseite verstanden werden.
Ein reizvolles Wechselspiel von innen und außen, Transparenz und Schutz der Privatsphäre hat Jürgen Radatz bei einem Einfamilienhaus in Klosterneuburg inszeniert.

Entscheidend für das Resultat waren zum einen baustilistische Überlegungen - der Architekt verfolgte eine reduzierte Formensprache in der Tradition der Wiener Moderne - vor allem aber die schwierige Lage des Hanggrundstücks: Inmitten eines Villenviertels gelegen, fällt es nach zwei Seiten ab und ist rundum von den Nachbarn einsehbar.

Schutz vor Einblicken

Es musste also ein gewisser Schutz vor Einblicken gewährleistet werden, ohne dabei Aussicht und Transparenz im Inneren zu gefährden. Das Thema Rückzug artikulierte Radatz vor allem auf der Straßenseite: Umgeben von einer hohen Gartenmauer wirkt das Gebäude hier turmartig, streng und abweisend, die glatte Fassade nur unterbrochen von kleinen Fenstern. Konterkariert wird diese Zugeknöpftheit auf der gegenüberliegenden Gartenseite: Hier öffnen sich die Wohnräume auf allen Ebenen mit großen Fensterflächen, vor dem zentralen Wohnraum gibt es eine Terrasse, dazu Balkone vor Schlafzimmer und Bad im Obergeschoß. Einen atemberaubenden Rundblick auf die Weinberge und den Wienerwald bietet schließlich die Dachterrasse, die über eine Außenstiege erschlossen ist.


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