Die Kosten für Lebensmittel steigen rasant, die chinesische Zentralregierung überlegt nun eine Regulierung der Preise.
PEKING/WIEN (Bloomberg/ku). China ist nicht nur dafür verantwortlich, dass weltweit die Preise für Getreide und Milch steigen – die Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln wächst stärker als das Angebot. Nun bekommen die Chinesen selbst ein Problem mit den Lebensmittelpreisen: Nach teils schwachen Ernten und einem Einbruch bei der Schweineproduktion hat sich Fleisch binnen Monatsfrist um 45 Prozent, Eier um 31 Prozent verteuert.
Das hinterlässt deutliche Spuren in der Inflation: Die Teuerungsrate ist im Juli auf 5,6 Prozent angestiegen, nach 4,4 Prozent im Juni. Analysten hatten mit einem Anstieg auf 4,6 Prozent gerechnet. Die hohe Inflationsrate – die höchste seit zehn Jahren – trifft auf ein wirtschaftliches Umfeld, das offenbar kurz vor der Überhitzung steht: Das Wirtschaftswachstum lag im zweiten Quartal bei 11,9 Prozent – der höchste Wert seit zwölf Jahren. Alle Versuche der Politik, das Wachstum auf ein gesünderes Ausmaß zu drosseln, sind bisher gescheitert.
Nun geht die Sorge um, dass die Teuerung nicht auf Lebensmittel beschränkt bleiben könnte, sondern in die gesamte Wirtschaft ausstrahlt. „Chinas Inflation gerät außer Kontrolle“, kommentierte kürzlich Tao Dong, Ökonom bei der Credit Suisse in Hong Kong. Während andere Ökonomen die Teuerung als ein temporäres und auf Nahrung begrenztes Phänomen einstufen, ist auch die Politik alarmiert: Zhang Tao von der Zentralbank bezeichnet die Wirtschaftsindikatoren als „alarmierend“. Die Zentralregierung hat Provinzregierungen aufgefordert, weitere Preissteigerungen zu verhindern. Zudem wurden Überlegungen für Preiskontrollen in Auftrag gegeben, nachdem es in einigen Regionen Beschwerden über Preissteigerungen zum Beispiel von Instant-Nudeln gab.
Für die Regierung steht viel auf dem Spiel: Zum einen muss sie zwischen höheren Kosten für Lebensmittel und einem höheren Einkommen für Bauern – der ärmsten Bevölkerungsschicht – abwägen. Zum anderen hat sie Angst vor zu hohen Preissteigerungen: Diese waren mit ein Auslöser für die Proteste am Tiananmen-Platz am 4. Juni 1989, die mit mehr als 1000 Toten endeten.
Japan stagniert fast
Eine Überhitzung der Wirtschaft mit nachfolgendem Crash wäre wohl das schlimmste, was der chinesischen Führung passieren könnte: Der internationale Währungsfonds hat prognostiziert, dass China möglicherweise noch heuer Deutschland als drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt überholen könnte und damit Japan nahe rückt. Der ostasiatische Konkurrent wächst derzeit nur ganz leicht: Im zweiten Quartal lag das Wachstum bei 0,1 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2007)